
Paralympics-Ehrung in Freiburg. Foto: BSB Freiburg
Das Fundament für alle 17 deutschen Medaillen der Paralympischen Winterspiele 2026 wurde an Olympiastützpunkten in Baden-Württemberg gelegt. Als Medaillenschmiede tat sich besonders der Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald hervor.
„Der Trubel war riesig, es war unheimlich viel los!“ stellt Anna-Lena Forster kaum eine Woche nach den Paralympischen Winterspielen in Milano Cortina 2026 fest. Bei einem Empfang in Freiburg für die Teilnehmenden aus der Region blickt sie unter anderem auf die „Wahnsinnsstimmung“ im Deutschen Haus zurück, die sie beim Medal Walk mehrmals genießen konnte. Neun Wettkampftage, fünf Starts, drei Medaillen, davon zwei in Gold: Deutschlands Monoski-Queen vom BRSV Radolfzell am Bodensee brachte von den Wettbewerben im Para Ski Alpin bereits ihre Paralympics-Medaillen zehn, elf und zwölf mit nach Hause.
Es ist eine eindrucksvolle persönliche Bilanz, mit der die 30-Jährige eine Liste mehrfacher deutscher Medaillengewinner anführt. Gar vier Medaillen holte Anja Wicker (MTV Stuttgart), die im Para Biathlon und im Para Skilanglauf zweimal Silber und zweimal Bronze errang. Auch Marco Maier (SV Kirchzarten) stand viermal auf dem Podest, mit dreimal Bronze im Biathlon und einer Silbermedaille mit der Offenen Staffel im Skilanglauf.
Paradebeispiel für zielgerichtete Zusammenarbeit
Das Medaillenzählen gehört nach internationalen Meisterschaften zum Geschäft. 17 gab es in Summe für Deutschlands Paralympioniken – zwei weniger als vier Jahre zuvor in Peking (China). Durchaus Anlass für eine kritische Nachbetrachtung, auch angesichts der Übermacht Chinas mit insgesamt 44 Medaillen, davon 15 in Gold. Aus Sicht Baden-Württembergs jedoch sind diese 17 deutschen Medaillen ein herausragendes Resultat. Denn alle entstanden mit Unterstützung der Olympiastützpunkte (OSPe) Baden-Württembergs.
Die Hintergründe für diese Erfolge kennt kaum einer besser als Jürgen Willrett. Bereits seit 1992 arbeitet er am OSP Freiburg-Schwarzwald, zunächst viele Jahre als Laufbahnberater, betraut auch mit dem Aufbau und der Leitung des Sportinternats. Seit 2025 ist er Leiter des Olympiastützpunkts. Er sagt: „Die Erfolge der Paralympischen Winterspiele sind das Ergebnis von 15 Jahren Engagement für den Para Sport. Und sie sind ein Paradebeispiel dafür, was man erreichen kann, wenn man in einer zielgerichteten Zusammenarbeit die Stärken unterschiedlicher Partner zusammenbringt.“
Umfangreiche Services
Insgesamt zwölfmal standen in Milano Cortina Athletinnen und Athleten sowie Guides auf dem Podest, die ihren Trainingsmittelpunkt in Freiburg haben. Sie alle profitieren von umfangreichen Services: Ob Trainingswissenschaft oder Leistungsdiagnostik, Sportpsychologie oder Sportmedizin, Internatsbetreuung, Laufbahnberatung oder Unterstützung bei der dualen Karriere: In allen Bereichen kann der OSP Freiburg-Schwarzwald Angebote machen, die individuell auf die Bedürfnisse der Sportlerinnen und Sportler im Para Sport ausgerichtet sind.
Mit Anja Wicker und dem Hessen Sebastian Marburger nutzen zwei weitere Medaillengewinner regelmäßig die Trainings- und Diagnostikmöglichkeiten am OSP Freiburg-Schwarzwald. Sie profitieren dabei von der Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer Ski Nordisch Ralf Rombach sowie Trainingswissenschaftler und Biomechaniker Dr. Walter Rapp – Experten, die vom Deutschen Behindertensportverband (DSB) am Standort Freiburg eingesetzt werden. „Alle Beteiligten stimmen sich eng ab und wir agieren als Team – das geht Hand in Hand“, erklärt Jürgen Willrett.
Großes Netzwerk
Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist das große, in der Region verwurzelte Partnernetzwerk aus Schulen, Hochschulen, weiteren Institutionen und Unternehmen. Diese bringen sich auch bei der Weiterentwicklung der Infrastruktur ein. So gibt es am Sportinternat Freiburg in einem Neubau vier barrierefreie Zimmer für Schüler mit Behinderung. Und ein Laufband für das Training auf Rollski konnte mithilfe von Sensoren und akustischen Signalen auch für die Nutzung von sehbehinderten Athleten zugänglich gemacht werden – um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen.
Die Bilanz der Paralympischen Spiele unterstreicht, dass all diese Initiativen Wirkung zeigen. Und die emotionalen Momente entlohnen für die Mühen aller Beteiligten, die weit über den „Dienst nach Vorschrift“ hinausgehen. Darunter auch die Geschichten von Athleten, die es nicht aufs Podest geschafft haben. Zum Beispiel Andrea Rothfuss (SV Mitteltal-Obertal), für die zwei vierte Plätze nach ihrem kräftezehrenden Kampf gegen Depressionen mehr als Gold wert waren. Oder die Leverkusenerin Kathrin Marchand: Nach Teilnahmen an Olympischen und Paralympischen Sommerspielen im Rudern feierte sie jetzt ihre paralympische Premiere im Wintersport – mit Unterstützung des OSP Freiburg-Schwarzwald, der ihren Wechsel auf die Langlaufski mit seiner Expertise begleitete.
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