
Liebe Leserin, lieber Leser,
liebe Sportfamilie in Baden-Württemberg,
sicher haben Sie die Entwicklungen mitverfolgt: Die Bundesregierung plant umfangreiche staatliche Investitionsprogramme. Mit einem Sondervermögen
will sie bestehende Staus bei der Sanierung der öffentlichen Infrastruktur abbauen und gleichzeitig einen nachhaltigen Impuls für das Wirtschaftswachstum setzen.
Das Sondervermögen enthält drei wesentliche Tranchen: 300 Milliarden Euro kann der Bund direkt für Investitionsmaßnahmen einsetzen. 100 Milliarden Euro fließen im Rahmen des Klima- und Transformationsfonds (KTF) spezifisch in Maßnahmen zur energetischen Sanierung und zum Klimaschutz. Und 100 Milliarden Euro gehen für investive Maßnahmen an die Bundesländer und von dort an die Kommunen.
Nachbesserungen: Sport explizit berücksichtigt
500 Milliarden Euro für die nächsten zwölf Jahre: Die Ankündigung dieser Investitionsoffensive als Teil der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag löste bereits zu Beginn des Jahres auch bei uns im Sport Hoffnung aus – war jedoch zunächst gefolgt von Ernüchterung, als der Sport in einem ersten Gesetzentwurf zur Verwendung der Investitionssumme keine explizite Nennung erfuhr.
Umso positiver können wir nach den gemeinschaftlichen Bemühungen der Konferenz der Landessportbünde mit dem Deutschen Olympischen Sportbund die jüngsten Entscheidungen in diesem Prozess bewerten. So wurde Anfang September präzisiert, dass der über die Länder für Kommunen vorgesehene Anteil des Sondermögens auch für Maßnahmen im Sport eingesetzt werden kann und soll. Der Sport wurde dafür explizit in § 4 des Gesetzentwurfs als Förderzweck benannt.
Und noch am selben Tag folgte mit der Ankündigung der „Sportmilliarde“ ein zweiter Baustein der Investitionen in die Sport-Infrastruktur. „Sportmilliarde“. Hört sich gut an. Doch was steckt dahinter? Konkret geht es um ein neues Förderprogramm zur Sanierung und Modernisierung von Sportstätten, finanziert über KTF-Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes. In den Jahren 2026 bis 2028 ist dafür bis zu eine Milliarde Euro vorgesehen. Über die Zuständigkeiten des Föderalismus hinweg könnten dann zahlreiche sanierungsbedürftige Sportanlagen in Deutschland endlich modernisiert werden.
Dringend benötigte Fördermittel
Wir alle wissen: Angesichts des jahrelangen bundesweiten Investitionsstaus sind es dringend benötigte Fördermittel zur Aufrechterhaltung des Sportbetriebs bei steigenden Mitgliederzahlen. Doch die vorgesehenen Mittel können nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn dafür der Schulterschluss zwischen allen beteiligten Akteuren gelingt. Hier sind nach den jüngsten Beschlüssen des Bundes die Politik und der Sport in Ländern und Kommunen gefordert.
Die Landessportbünde, deren Konferenzvorsitz in 2025/2026 beim Landessportverband Baden-Württemberg liegt, haben sich bereits eindeutig positioniert. Sie forderten die 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten dazu auf, die Verwendung eines verbindlichen Anteils der Mittel aus dem Sondervermögen für Länder und Kommunen auch für die Sport-Infrastruktur zu ermöglichen. Profitieren würden die Länder davon gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie stärken mit den deutschen Sportvereinen erreicht werden – ein so großer und vielfältiger Anteil der Bevölkerung wie wohl mit kaum einer anderen Maßnahme.
Gespräche zwischen Vereinen und Kommunen notwendig
Das Bekenntnis der Länder zur Investition in den Sport ist auch deshalb wichtig, weil die Fördermittel des Bundes aus der „Sportmilliarde“ wohl nur abgerufen werden können, wenn durch Kommunen oder Land komplementär finanziert wird. In Baden-Württemberg hat der Solidarpakt Sport schon in der Vergangenheit für verbindliche Rahmenbedingungen im Sportstättenbau gesorgt. Vereine und Verbände haben von den Fördermitteln und der Planungssicherheit profitiert.
An Sie als Vereinsvertreterinnen und -vertreter appelliere ich: Gehen Sie auf Ihre Ansprechpartnerinnen und -partner in den Kommunen zu und werben Sie für den zielgerichteten Einsatz etwaiger Fördermittel zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger und Sporttreibenden. Für ein starkes Sportland Baden-Württemberg!
Ihr
Jürgen Scholz
LSVBW-Präsident









