Foto: Talent Days Bodensee / Fototeam Digital

Bregenz, 28. September 2026 | In Bregenz und Dornbirn fand am Wochenende mit 250 Sporttalenten aus der Bodensee-Region die Premiere der Talent Days Bodensee statt. Das neue Format unter dem Dach der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK), für das sich auch der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) unterstützend eingebracht hat, stieß bei den Teilnehmenden auf viel positive Resonanz. Für die Weiterentwicklung werden schon jetzt die ersten Impulse gesammelt.

Mit einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung im Festspielhaus Bregenz sind am Sonntag die ersten Talent Days Bodensee zu Ende gegangen. Seit Freitag hatten rund 250 junge Sporttalente im Alter von 12 bis 14 Jahren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein in Handball, Volleyball, Schwimmen und Klettern zusammen trainiert – mit Gleichaltrigen aus den Nachbarländern, die sie sonst höchstens im Wettkampf treffen würden. Die nächste Ausgabe ist vom 22. bis 24. September 2028 geplant.

Training, Workshops und Begegnung mit einer Olympiamedaillengewinnerin

Die Jugendlichen kamen aus zehn verschiedenen Ländern und Kantonen; betreut wurden sie von 27 Trainerinnen und Trainern aus den vier Ländern. Auf dem Programm standen sportartspezifische Trainings und gemeinsame Athletikeinheiten. In den Workshops für die Talente ging es um Zielsetzung (Ziele setzten. Klarheit schaffen. Loslegen.), die Trainerinnen und Trainer beschäftigten sich mit den Themen „Umgang mit Fehlern“ sowie Kommunikation zur Stärkung von Leistung und Persönlichkeit. In einer letzten Trainingseinheit am Sonntag konnten die Jugendlichen das Gelernte noch einmal anwenden.

Am Samstagabend war Anna-Maria Wagner, zweifache Judo-Weltmeisterin und zweifache Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Tokio, im Festspielhaus zu Gast. Für die 30-Jährige war es ein „Heimspiel“: Sie reiste aus Ravensburg an, wo sie aufgewachsen ist. Die Judoka erzählte von ihrer Karriere, sprach mit den Jugendlichen über Motivation, Ziele und die Anforderungen des Spitzensports und beantwortete ihre Fragen. Im Anschluss gab sie Autogramme und machte Fotos mit den Talenten.

„Ich freue mich, dem Nachwuchs etwas mitgeben zu können. Das habe ich schon während meiner aktiven Karriere gerne gemacht, und auch jetzt werde ich regelmäßig angefragt. Aber vor so vielen Jugendlichen zu sprechen ist auch für mich ungewöhnlich“, stellte Anna-Maria Wagner fest. „Ich selbst würde rückblickend alles immer wieder so machen. Den Jugendlichen sage ich aber immer: Es macht nur Sinn, wenn man es wirklich will! Man muss bereit dafür sein, mehr als 150 Prozent zu geben, sonst kriegt man nicht den Output, den man sich wünscht. Und es muss Leidenschaft dahinterstecken!“

Was die Jugendlichen mitnehmen

Zum Abschluss wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, wie sie die drei Tage erlebt haben. Zwei Volleyball-Talente aus der Schweiz (beide 14 Jahre) waren sich einig: „Es ist ein tolles Erlebnis mit tollem internationalem Austausch!“ Was sie anderen mit auf den Weg geben würden? „Macht auf jeden Fall mit, wenn ihr die Chance habt! Es ist toll, dass hier so viel angeboten wird. Die Mitmachstationen im Festspielhaus waren toll. Alles ist recht gut organisiert, wir wissen immer, wann wir wohin sollen.“

Ein Talent aus Liechtenstein (14 Jahre) berichtete; „Es ist sehr cool hier, und ich habe schon viel Neues gelernt. Ich bin die einzige Handballspielerin aus Liechtenstein und in einem Zimmer mit drei Schweizerinnen untergebracht, das klappt gut. Man findet hier immer jemanden, der einem hilft. Ich denke, das Training hier hat mich auch sportlich weitergebracht.“

„Als ich die Einladung erhalten habe, habe ich sofort Ja gesagt! Die Atmosphäre ist sehr cool. Wir haben auch schon mit Kletterern aus anderen Regionen trainiert. Mir ist aufgefallen, dass sie sich ganz anders aufwärmen als wir“, stellte ein junger deutscher Kletterer (14) fest. „Ein paarmal mussten wir auf unseren Bus warten, aber ansonsten ist alles sehr professionell.“ Ebenso wie seine Mitstreiter aus Baden-Württemberg war er überrascht und beeindruckt von der großen Anzahl an Sportlerinnen und Sportlern, die für die Talent Days zusammenkamen.

Wie die Trainerinnen und Trainer die Talent Days erlebten

Unterstützt vom Organisationskomitee waren es die 27 Trainerinnen und Trainer, die die Talente eingeladen und das Programm mit Leben gefüllt hatten. „Für die jungen Sportlerinnen und Sportler ist es eine Ehre, hier dabei zu sein. In Vorarlberg haben wir aus dem Kreis der Kaderathleten vier Mädchen ausgewählt“, sagte Jörg Mäser, Vorstand des Vorarlberger Schwimmverbandes und verantwortlich für die Organisation der österreichischen Schwimmteilnehmerinnen. „Für die Betreuung haben wir eine Mischung aus Spitzen- und Nachwuchstrainerinnen nominiert, zwei Trainerinnen der jüngeren Generation haben die Möglichkeit erhalten hier dabei zu sein.“

Marvin Winkler, Athletik-Landestrainer im Klettern Athletik aus Baden-Württemberg, erklärte, er selbst habe im internationalen Austausch mit den Trainerinnen und Trainern besonders hinsichtlich der Vereins- und Verbandsstrukturen viel lernen können, denn hier herrschen teils große Unterschiede.

„Für mich war spannend zu sehen, wie das gemeinsame Athletiktraining mit Kletterern und Handballern funktioniert: Im Handball herrscht Körperkontakt, die Sportlerinnen und Sportler haben eine andere Statur, müssen sich anders durchsetzen“, stellte KlettertrainerinAnke Hoffmann, ebenfalls aus Baden-Württemberg, fest.

„Ich bin mit relativ wenig Vorwissen hergekommen, aber ich muss sagen, es läuft alles sehr gut“, sagte der Liechtensteiner Volleyballtrainer Adrian Ritter. „Für viele Sportler ist es der erste Austausch mit anderen Nationen, es ist schön, dass sie diese Erfahrung machen und auch sehen können, dass sie die Chance haben, mal in ausländischen Teams zu spielen.“

2028 geht es weiter

Die Talent Days Bodensee werden künftig alle zwei Jahre stattfinden; für 2028 ist eine weitere Austragung vom 22. bis 24. September 2028 in Vorarlberg vorgesehen. Welche Sportarten und Programmpunkte dann angeboten werden, wird in den kommenden Monaten erarbeitet. Einfließen sollen die Erfahrungen aus der ersten Ausgabe und die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Roman Hasler, Sprecher der Arbeitsgruppe Bewegung und Sport der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK), blickt bereits auf die nächste Ausgabe: „Wir haben bei der Premiere gesehen, wie schnell aus Jugendlichen aus vier Ländern eine gemeinsame Gruppe werden kann. Diese Energie wollen wir mitnehmen und die Talent Days gemeinsam weiterentwickeln. Für 2028 hören wir genau hin, was die Jugendlichen uns zurückmelden: Sie wissen am besten, was bleiben soll und was wir besser machen können. Unser Ziel ist, dass aus den Begegnungen dieser drei Tage ein Netzwerk junger Sportlerinnen und Sportler rund um den Bodensee wächst.“

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Hintergrund

Ziel der Talent Days Bodensee ist es, junge Talente sowie Trainerinnen und Trainer miteinander zu vernetzen, den internationalen Austausch zu fördern und den olympischen Gedanken in der Vierländerregion erlebbar zu machen. Damit steht nicht allein die sportliche Leistung im Mittelpunkt: Auch Fairplay, olympische Werte, persönliche Entwicklung und das Kennenlernen über Landesgrenzen hinweg sind zentrale Bestandteile des Formats.

Die Talent Days Bodensee gehen auf einen Vorschlag der Nationalen Olympischen Komitees an die Arbeitsgruppe Bewegung und Sport in der IBK-Kommission Gesundheit und Soziales zurück. 2024 beschlossen die Regierungschefinnen und Regierungschefs der zehn IBK-Mitglieder, das Format umzusetzen. Unterstützt wird es von den olympischen Dachorganisationen der vier Länder – dem Österreichischen Olympischen Comité, Swiss Olympic, dem Liechtenstein Olympic Committee und dem Deutschen Olympischen Sportbund.

Die Abwicklung der Talent Days Bodensee erfolgt durch einen eigens dafür gegründeten Verein, in dem federführend das Land Vorarlberg und der Landessportverband Baden-Württemberg vertreten sind, sowie in Kooperation mit den Sportämtern und -ministerien der IBK-Länder und -Kantone. Die Talent Days Bodensee sollen künftig alle zwei Jahre stattfinden; für 2028 ist eine weitere Austragung in Vorarlberg vorgesehen.

Die Talent Days Bodensee werden im Rahmen des IBK-Kleinprojektefonds aus Interreg-Mitteln des Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein-Programms gefördert.