Foto: LSVBW / Fabian Schumacher

Voller Einsatz für die Kleinen wie die Großen: Klaus Faißt leitet in Baiersbronn seit mehr als drei Jahrzehnten eine von Deutschlands Talentschmieden in der Nordischen Kombination. Auch die eigenen Kinder brachte er bis in die Weltspitze. Im Januar erhielt der 69-Jährige im Rahmen der LSVBW-Trainerpreisverleihung für sein langjähriges Engagement den Sonderpreis der BARMER.

Klaus Faißt hat in seinem Leben schon viel Neuland betreten. Nach drei deutschen Jugendtiteln in der Nordischen Kombination war er 1974 einer der ersten Athleten, die in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen wurden. Im Anschluss an seine eigene sportliche Karriere zählte er zu den ersten Absolventen der DOSB-Trainerakademie in Köln. Dann übernahm er am Skiinternat in Furtwangen als erster verantwortlicher Trainer die Aufgabe, Sporttalente bei der Koordination von Leistungssport und Berufsausbildung zu unterstützen.

Seine Berufung aber fand der heute 69-Jährige in einer Rolle, in der er an große Traditionen anknüpfte: Am Stützpunkt in Baiersbronn, Wiege zahlreicher Olympioniken des Wintersports, formt Klaus Faißt seit nunmehr 33 Jahren Baden- Württembergs Talente in der Nordischen Kombination. Und hat damit längst selbst Geschichte geschrieben.

Sport und Tourismus

„1993 wurde mein Sohn Manuel geboren und wir sind aus Furtwangen nach Baiersbronn gezogen“, blickt Klaus Faißt auf die Anfänge seiner Trainertätigkeit zurück. „Angeboten war dort eine Trainerstelle von 30 Prozent – 70 Prozent waren Tourismus. Ich habe Veranstaltungen für Familien und Kinder organisiert und mich auch hier für Bewegung eingesetzt. Wir haben eine tolle Infrastruktur fürs Wandern und Mountainbiking. Das hat mir ähnlich Spaß gemacht wie der Trainerberuf.“

Dass er sein Engagement als Trainer bei dieser Aufgabenteilung überwiegend im Ehrenamt ausübte, ist für Klaus Faißt auch nach dem Eintritt ins Rentenalter nur eine Randnotiz. „Eine hauptamtliche Trainerstelle war nicht finanzierbar, aber diese Konstellation war möglich. Die 30 Prozent für den Sport hatte ich schon nach dem Wochenende ausgeschöpft“, stellt er nüchtern fest und erklärt: „Man ist verantwortlich dafür, was aus den Kindern wird. Ich investiere so viel, dass sie die Möglichkeit haben, irgendwann international vorne mit dabei zu sein – wenn sie es wollen.“

Sohn Manuel auf dem Olympia-Podest

Drei Einheiten pro Woche für die 6- bis 8-Jährigen, vier für die 9- bis 11-Jährigen und ab 12 Jahren fünf Mal Training pro Woche im Jahresdurchschnitt, plus Wettkämpfe und Trainingslager – dieses Programm bietet der 69-Jährige in Baiersbronn noch heute an. Mittlerweile unterstützen ihn dabei auch einige weitere Trainer im Ehrenamt. „Ich bin ein harter Trainer, denn ich verlange meinen Sportlern etwas ab“, sagt Klaus Faißt.

Auch seine eigenen Kinder Manuel und Melanie Faißt gingen durch diese harte Schule. Ihre Leistungen zeugen davon, was möglich ist, wenn Einsatz und Motivation auf den passenden Mentor treffen. Mit Olympia- Silber im Team-Wettbewerb der Nordischen war es Manuel Faißt, der spät in der Trainer- Laufbahn des Vaters für dessen größten Erfolg sorgte. Auch die Weltcup-Gesamtsiegerin 2024/2025 in der Nordischen Kombination Nathalie Armbruster lernte ihr Handwerk bei Klaus Faißt.

Nachfolger gesucht

Die Entwicklung seiner Athletinnen und Athleten mitzuverfolgen, bereitet Klaus Faißt die größte Freude. Bedeutsamer als internationale Erfolge ist ihm aber der Beitrag, den er ihnen für den weiteren Lebensweg mitgeben kann: „Das Wichtigste ist heute noch mehr als früher, dass sich Kinder bewegen. Ausnahmslos alle, die bei uns bis zum Alter von 16, 17 Jahren im Verein die Wettkämpfe und das Training mitgemacht haben, sind im Beruf ihren Weg gegangen. Mit ihnen kann man später etwas anfangen, denn sie haben gelernt zu kämpfen.“

Wenn es in der eigenen Familie aufgrund der Doppelrolle von Vater und Trainer Spannungen gab, sorgte Mutter und Ehefrau Andrea im Hintergrund für den nötigen Rückhalt. 38 Jahre bestreitet das Ehepaar schon Seite an Seite. Noch ist Andrea Faißt berufstätig, so lange will auch Klaus Faißt die Trainertätigkeit nicht an den Nagel hängen, bietet zudem weiterhin einmal wöchentlich Berg- oder Schneeschuh- Wanderungen für die Baiersbronn Touristik an.

Doch der 69-Jährige denkt auch ans Kürzertreten, würde seine Verantwortung liebend gerne in andere kompetente Hände legen, auch um mehr Zeit für seinen Enkel zu haben. Zwischenzeitlich schien ein Nachfolger gefunden, doch daraus wurde nichts. Und so steht Klaus Faißt weiter Woche um Woche an Schanze und Loipe und gibt sein Wissen an den Nachwuchs weiter: „Wenn Kinder das Talent haben, ganz oben anzukommen, dann lasse ich sie doch nicht hängen. Daher versuche ich das aufrechtzuerhalten, solange es eben geht. Auch wenn es schwerer fällt.“

Hintergrund zum LSVBW-Trainerpreis

Als der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) 1996 zum ersten Mal einen Trainerpreis auslobte, betrat er Neuland. Die 29. Verleihung, die er gemeinsam mit seinen Partnern, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und der BARMER sowie mit freundlicher Unterstützung der Porsche AG durchführen konnte, ist der Beleg, dass der LSVBW die engagierte Arbeit der Trainerinnen und Trainer wertschätzt.
Der Trainerpreis Baden-Württemberg wird seit 1996 jährlich vergeben und prämiert Trainerinnen und Trainer aus Baden-Württemberg, die durch herausragende Leistungen, außergewöhnliche sportliche Erfolge ihrer Athleten sowie besondere pädagogische Fähigkeiten auf sich aufmerksam gemacht haben. Vorgeschlagen werden die Trainer von Fachverbänden und Vereinen, aber auch durch Sportschulen, Olympiastützpunkte, Kaderathleten und weitere im Sport angesiedelte Personen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine Jury, bestehend aus hochrangigen Personen aus Sport, Medien und Politik sowie den Partnern des Trainerpreises.