Florian Bauder, Sandrina Sprengel, Theresa Schopper, Kai Gemeinder und Tim Lamsfuß

Stuttgart, 17.11.2025 | Sportministerin Theresa Schopper und Tim Lamsfuß, OSP-Leiter in Stuttgart, rückten am Donnerstag im Gespräch mit Siebenkämpferin Sandrina Sprengel und ihrem Trainer Florian Bauder die Herausforderungen einer Leistungssportkarriere in den Fokus. Der Tenor der SPORTHORIZONTE 2025: Die Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg sind im bundesweiten Vergleich gut – und doch gibt es für die Arbeit von Athleten und Trainern Vieles zu verbessern.

„Baden-Württemberg ist ein Sportland – in der Breite wie in der Spitze. Wir fördern den Sport als Land jährlich mit mehr als 120 Millionen Euro allein über den Solidarpakt Sport. Dabei stehen auch das Wohlbefinden und die nachhaltige Entwicklung unserer Athletinnen und Athleten im Zentrum. Denn Gesundheit und Bildung bilden das Fundament für das Leben nach dem Leistungssport.“ Mit diesen Worten ordnet Baden-Württembergs Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper die übergeordnete Zielsetzung der Sportförderung im Land ein.

Welche Rahmenbedingungen damit geschaffen werden können und ob diese den Herausforderungen im Leistungssport standhalten, das und mehr war am vergangenen Donnerstag Gesprächsthema bei den SPORTHORIZONTEN 2025 im Forum der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart. Eingeladen hatten zu der von Kai Gemeinder moderierten Talkrunde „Leistungssport – Herausforderungen zwischen Karriere, Familie, Gesundheit und Zukunftsplanung“ Sportministerin Theresa Schopper sowie der Präsident des Landessportverbands Baden-Württemberg (LSVBW) Jürgen Scholz.

Individuelle Lösungen als Stärke

Für den aus persönlichen Gründen verhinderten LSVBW-Präsidenten Jürgen Scholz gab Tim Lamsfuß, Leiter Olympiastützpunkt Stuttgart, Einblick in die Leistungssport-Arbeit im Land. „Baden-Württemberg unterstützt den Spitzensport zusätzlich zu den Bundesmitteln mit einer guten Komplementärfinanzierung, ohne diese wäre Einiges schwieriger“, stellte er fest und lobte besonders die konstruktive Zusammenarbeit der zahlreichen Partner des Leistungssports: „Hier wird immer erstmal versucht, eine gute, individuelle Lösung für eine Fragestellung zu finden. Wir wollen Ermöglicher sein!“

Ebenso wie Theresa Schopper betonte auch Tim Lamsfuß: „Das Wohl der Athletinnen und Athleten steht im Mittelpunkt unseres Handelns.“ So habe zum Beispiel der Olympiastützpunkt Stuttgart den Athletenservice zuletzt um zwei Mitarbeiter erweitert: Athletenmanagerin Pamela Dutkiewicz-Emmerich und Sportseelsorger Andreas Forro kümmern sich zusätzlich um die Betreuung der Talente am OSP.

Erfolgsbeispiel: Sandrina Sprengel

Wie sich in Baden-Württemberg ein Talent bis in die Weltspitze entwickeln kann, ist eindrucksvoll am Beispiel von Siebenkämpferin Sandrina Sprengel abzulesen. Sie bereicherte gemeinsam mit ihrem Trainer Florian Bauder die Talkrunde mit ihren persönlichen Erfahrungen – vom Umzug in das Sportinternat in Stuttgart im Alter von 15 Jahren über die ersten internationalen Nachwuchs-Medaillen bis hin zu Platz fünf bei der WM 2025 in Tokio.

„Die Familie steht immer an erster Stelle“, benannte Sandrina Sprengel zugleich ihre größten Fans und ihre wichtigsten Förderer. Ohne ihre Unterstützung wäre ihr früher Einstieg in die Leistungssport-Karriere mit dem Umzug ins Internat nicht möglich gewesen. Eine zentrale Rolle wies sie auch ihrem Trainer zu: „Ich trainiere bei Flo, seit ich 14 bin. Da hat sich eine große Vertrauensbasis aufgebaut. Ich kann mich auf ihn verlassen, er hört mir zu und findet im Wettkampf die passenden Worte. Wir verstehen uns auch menschlich sehr gut.“

Duale Karriere als Chance und Aufgabe

Rückhalt gibt Sandrina Sprengel darüber hinaus ihre Anstellung bei der Landespolizei Baden-Württemberg: Bei ihrem Bachelor-Studium für den gehobenen Dienst profitiert sie dank der Kooperation zwischen dem Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen und LSVBW von der Spitzensportförderung, kann zum Beispiel bei fortlaufendem Gehalt für Training und Wettkämpfe freigestellt werden.

Zahlreiche weitere Angebote wie sportbetonte (Elite-) Schulen, Partnerbetriebe des Spitzensports oder Universitäts- und Hochschul-Kooperationen ermöglichen in Baden-Württemberg die duale Karriere. Sowohl Theresa Schopper als auch Tim Lamsfuß hoben diese als zentralen Baustein für eine nachhaltige Laufbahn im Leistungssport hervor.

„Wir investieren nicht nur in eine gute Sportinfrastruktur und gute Trainingsbedingungen, sondern wir bieten unseren Sportlerinnen und Sportler auch gute Möglichkeiten für ein duale Karriere, etwa über unsere Eliteschulen des Sports, Eliteschulen des Fußballs und Partnerschulen der Olympiastützpunkte“, erläuterte Theresa Schopper. „Im Optimalfall erwachsen so Olympia- oder Paralympics-Teilnehmer, die auch nach dem Sport erfolgreich in ihrem Beruf sind – und somit in doppelter Hinsicht als Vorbild dienen können.“

Hohe Verantwortung der Trainer

Sandrina Sprengel und Florian Bauder ließen jedoch nicht unerwähnt, dass viele Sportlerinnen und Sportler insbesondere im Anschluss an die schulische Laufbahn mit Ungewissheit und finanziellen Engpässen umgehen müssen. „Eine Absicherung in Verletzungsphasen wäre wichtig, um mehr Sicherheit zu schaffen“, sagte Sandrina Sprengel, deren Saison 2025 nach einer Verletzung im ersten Wettkampf lange auf der Kippe stand. „Sandrina ist mit ihrer Sportförderstelle bei der Polizei abgesichert, bei anderen sieht das ganz anders aus“, bestätigte Florian Bauder.

Der Mehrkampf-Landestrainer begleitet in Stuttgart neben Sandrina Sprengel zahlreiche weitere Talente. Mit individueller Betreuung und flexiblen Trainingszeiten versucht er, ihrer jeweiligen Lebenssituation gerecht zu werden. Vier Trainingseinheiten pro Tag, von 7:00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends in der Halle, sowie in Wettkampf-Phasen auch zahlreiche Einsätze am Wochenende seien da keine Seltenheit.

Es ist eine hohe Arbeitsbelastung in einem Beruf, in dem Fingerspitzengefühl gefordert ist. „Leistungssport ist ein schmaler Grat, und offene Kommunikation ist extrem wichtig. Wir tragen eine hohe Verantwortung gegenüber den Athletinnen und Athleten“, betonte Florian Bauder.

Solidarpakt Sport V: Gutes bewahren, Entwicklung ermöglichen

Tim Lamsfuß hob angesichts dieser Tatsache auch die Bedeutung des Wohls der Trainer hervor, die unter großem persönlichen Einsatz die Leistungssport-Karriere ihrer Schützlinge begleiten. Mit einem einheitlichen Berufsbild für Leistungssportpersonal und Tarifverträgen sei ihre Lage in Baden-Württemberg zwar vergleichsweise abgesichert. „Aber wir denken fortlaufend über Modelle nach, wie wir ihre berufliche Laufbahn noch besser gestalten können. Verbesserungsbedarf gibt es immer!“

Dieser Bedarf und weitere für den Sport im Land essentielle Förderfelder werden zur Zeit in politischen Verhandlungen intensiv diskutiert: Der Solidarpakt Sport V soll die künftige Sportförderung in Baden-Württemberg ab dem Jahr 2027 abbilden. Nach Ende der offiziellen Talkrunde bot sich den geladenen Gästen im LBBW Forum bei Speisen und Getränken die Möglichkeit, die Gespräche zur Fortführung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Sport und Politik zu vertiefen und Perspektiven für eine Weiterentwicklung der Sportförderung miteinander zu teilen.

Hintergrund

SPORTHORIZONTE ist seit 2024 der Sporttalk zwischen Ministerin Theresa Schopper und Präsident Jürgen Scholz und Gästen. Beide laden zum Themenfeld passend Politik, Landesverwaltung und die LSVBW-Mitgliedsorganisationen ein.

1. Talk in 2024:
SPORTHORIZONTE: Gesellschaftliches Allheilmittel – Ehrenamt – Kaderschmiede?

2. Talk in 2025:
SPORTHORIZONTE: Leistungssport – Herausforderungen zwischen Karriere, Familie, Gesundheit und Zukunftsplanung