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Vor rund 40 Jahren wurden die Grundpfeiler des heutigen Bundesstützpunkts Rhythmische Sportgymnastik Fellbach-Schmiden errichtet – als Gemeinschaftsprojekt einiger Fellbacher Familien. Auch heute steht die Gemeinschaft im Vordergrund und ist Teil der Erfolgsgeschichte, die zuletzt Weltmeistertitel im Einzel und im Team nach Schmiden brachte.

„Wir sind in den letzten Jahren gewachsen. Nicht nur, was die Anzahl an Athletinnen angeht, sondern auch infrastrukturell und personell. Die Bedingungen hier sind wirklich sehr gut“, beschreibt Standortmanagerin Sina Maier den Ort, der sich zum Nabel der nationalen RSG-Welt entwickelt hat. Idyllisch gelegen im Remstal, zwischen Weinbergen, Obstwiesen und Ackerflächen, trainiert die RSG-Elite Deutschlands, denn seit 2008 ist dort auch das Nationalmannschaftszentrum angesiedelt.

Die Ursprünge liegen in den 70er-Jahren mit den Familien Bürkle, Koch und Höfer, die aufgrund der RSG-Affinität ihrer Töchter eine Abteilung beim TSV Schmiden aufbauten. Der Schwäbische Turnerbund (STB) etablierte in den Folgejahren einen Stützpunkt, und bereits 1984 wurde der Standort dann vom Deutschen Turnerbund (DTB) zum Bundesstützpunkt (BSP) ernannt.

Damals war die Rhythmische Sportgymnastik noch nicht olympisch und es sollte zwölf Jahre dauern, bis 1996 in Atlanta mit Magdalena Brzeska und Kristin Sroka die ersten Schmidener Athletinnen bei Olympischen Spielen teilnahmen. Gut Ding will eben Weile haben, und auch dies könnte ein Faktor für den heutigen Erfolg sein: „Die Strukturen und alles drum herum sind kontinuierlich gewachsen, auch das Netzwerk aus DTB und STB, LSVBW und OSP Stuttgart, Verein und Stadt ist enger und besser geworden über die Zeit“, so Maier.

Umfangreiche Infrastruktur und kurze Wege

Heute stehen den Akteuren zwei Trainingshallen mit jeweils zwei Wettkampfflächen, ein großer und ein kleiner Ballettsaal, diverse Büroräume und Besprechungszimmer, Physio- und Massageraum, ein vollausgestatteter Kraftraum, eine Sauna zur Regeneration, sowie zwei Küchen, in denen die Athletinnen sich Essen zubereiten, zur Verfügung. In unmittelbarer Nähe sind das Internat, betrieben vom STB, und alle Schulformen zu finden. „Die Topathletinnen kommen auf rund 40 Stunden pro Woche, für Training jeglicher Art, Regeneration und Co., da sind kurze Wege elementar.“

Personell ist der Standort im Stuttgarter Umland ebenfalls gut aufgestellt, das Trainerteam um Teamchefin Isabell Sawade hat sich gefunden und arbeitet eng zusammen mit Athletiktrainern und Physiotherapeuten, die vom OSP Stuttgart regelmäßig nach Schmiden kommen, um vor Ort mit den rund 30 BSP-Athletinnen zu arbeiten. Hinzu kommen nochmals circa 20 Athletinnen in den Nachwuchsgruppen, zehn leben derzeit im Internat. Die Talentgewinnung in Schmiden konzentriert sich vor allem auf die Umgebung, zuliefernde Vereine sind jedoch deutschlandweit zu finden. Und ab und an stoßen Athletinnen aus dem Ausland dazu, die aufgrund unterschiedlicher persönlicher Gründe nach Deutschland kommen.

„Der Teamgedanke steht über allem“

Umso wichtiger ist dem Trainerteam der Zusammenhalt. Es herrscht ein professionelles und doch familiäres Verhältnis – unter den Athletinnen und auch zu den Trainerinnen und sonstigen Betreuenden. „Bei unzähligen gemeinsamen Stunden pro Woche am Stützpunkt werden die Menschen zu Familie und der Ort zu einem Zuhause. Uns ist sehr wichtig, dass der Teamgedanke trotz der internen Konkurrenz über allem steht. Mit einem zuverlässigen Team im Rücken sind wir auch individuell stärker, das gibt Rückenwind.“

Für die Zukunft haben sich Sina Maier und das BSP-Team vorgenommen, die Sportart weiter zu professionalisieren. Der Erfolg soll nicht auf einzelne Athletinnen und deren Leistungen aufbauen, sondern breit aufgestellt sein. „Es gibt so viele Faktoren, von denen Erfolg abhängt. Einige hat man in der Hand, kann an Stellschrauben drehen – andere entziehen sich unserem Einfluss. Wir wollen unsere Möglichkeiten nutzen und damit so erfolgreich wie möglich sein, aber eben nicht um jeden Preis. Dabei hilft uns der Gemeinschaftsgedanke.“ Damals wie heute.