Konsortiumstreffen des Projekts RewitAl

Das Konsortium traf sich zum Austausch an der Hochschule Aalen.

Kunstrasenplätze sind eine Umweltbelastung und doch oft das Mittel der Wahl in vielen Sportvereinen. Welche Ansätze es bereits in der Wirtschaft für eine nachhaltigere Gestaltung gibt, war Thema eines Treffens des Forschungsprojekts RewitAl.

Kunststoffrasenplätze sind pflegeleicht, das ganze Jahr nutzbar und können intensiver bespielt werden als Naturrasenplätze. Doch sie sind auch eine Belastung für die Umwelt: Pro Kopf entstehen in Deutschland rund 130 g Mikroplastik pro Jahr durch den Austrag des Kunststoffgranulats und den Abrieb der Fasern. Durch das Waschen von Kleidung entstehen im Vergleich nur 80 g Mikroplastik pro Jahr.

Im Projekt RewitAl arbeitet der Landessportverband Baden-Württemberg gemeinsam mit drei Hochschulen, kommunalen Akteuren und weiteren Partnern daran, die Umweltbelastung durch Kunststoffrasenplätze zu verringern. Gut 1000 Plätze gibt es in Baden-Württemberg, ihre Lebenszeit beträgt nur ca. 12 bis 15 Jahre. Wie sie nachhaltiger gestaltet und am Ende ihrer Lebenszeit recycelt werden können, ist Bestandteil des Forschungsprojekts.

Kunststoffrasenplätze aus biobasierten Kunststoffen

Mitte Juli kamen gut 25 Konsortiumsmitglieder an der Hochschule Aalen zusammen, um sich über den aktuellen Forschungsstand zu informieren. Im Zentrum des diesjährigen Treffens standen Einblicke aus der Wirtschaft zur nachhaltigen Gestaltung der Plätze.

Beim Neubau der Plätze können in Zukunft Biokunststoffe eine größere Rolle einnehmen. Niklas Voß der FKuR Kunststoff GmbH erläuterte, dass diese unter anderem aus Stärke, Zuckerrohr oder Kork gefertigt werden. Zum Teil können sie biologisch abgebaut werden, in diesem Fall weisen sie jedoch andere Eigenschaften auf und benötigen eine angepasste Verarbeitung. Nicht biologisch abbaubare, biobasierte Kunststoffe können konventionellen Kunststoff hingegen eins zu eins ersetzen. Im Vergleich zu diesem geben sie bei der Verbrennung am Ende der Lebenszeit jedoch nur so viele CO2-Emissionen ab, wie ursprünglich in der Ausgangspflanze gespeichert waren. Beide Biokunststoff-Arten sind daher eine Chance, Kunststoffrasenplätze nachhaltiger zu gestalten.

Chemisches Recycling möglich

Einer der Forschungsschwerpunkte des Projekts ist auch das chemische Recycling der Kunststoffrasenplätze nach ihrem Abbau (hier im Beitrag nachzulesen). Dieses soll zum Einsatz kommen, wenn mechanisches Recycling an seine technischen Grenzen stößt. Die Firma ARCUS Greencycling Technologies betreibt die erste deutsche Anlage für chemisches Recycling durch Pyrolyse im industriellen Maßstab. Am Nachmittag des Projekttreffens berichtete einer der Geschäftsführer von ihrem Test mit Kunststoffrasen, welchen sie von der Hochschule Aalen zur Verfügung gestellt bekommen hatten.

Zum Abschluss des Konsortiumstreffens wurde es noch praktisch. In einem Workshop entwickelten die Teilnehmenden Geschäftsmodellideen für eines der Forschungsvorhaben. Zudem nahmen sie an der Nutzerstudie zum KI-Cockpit teil. Dieses soll den Abbau der Kunststoffrasenplätze erleichtern und den Austrag des Mikroplastiks während des Prozesses verringern. Weitere Informationen zum KI-Cockpit finden Sie in diesem Beitrag.

Hintergrund zum Projekt

Im Projekt Reintegration hochwitterungsbeanspruchter Altkunststoffe in die Kreislaufwirtschaft (RewitAl) arbeiten die drei Hochschulen Pforzheim, Furtwangen und Aalen sowie verschiedene Firmen und der Landessportverband Baden-Württemberg an einer Lösung, wie Kunststoffrasenplätze umweltfreundlich verwertet werden können. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Baden-Württemberg (EFRE). Der EFRE ist ein Strukturfonds der EU, mit dessen Hilfe der wirtschaftliche, territoriale und soziale Zusammenhalt innerhalb der EU gefördert wird.