Foto: envato / WBMUL

Eines der am intensivsten diskutierten Themen im Rahmen des Spitzensport Symposiums in Stuttgart war Ende März das Relative Energiedefizit-Syndrom (REDs) – eine vielschichtige Erkrankung, die vermehrt im Spitzensport zu beobachten ist und schwerwiegende langfristige Folgen haben kann. In Zusammenarbeit mit Dr. Christine Kopp vom Universitätsklinikum Tübingen fassen wir zentrale Fakten zu REDs zusammen und listen auf, wo Betroffene Hilfe finden können.

Ursachen

Wenn ein Körper über einen längeren Zeitraum mehr Energie verbraucht, als ihm über die Nahrung zugeführt wird, entsteht ein relatives Energiedefizit. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft besteht der Wunsch, durch den Sport oder für den Sport Gewicht zu verlieren, was ein ungesundes Essverhalten zur Folge haben kann. Auslöser sind Fehlinformationen oder falsche Vorbilder, die häufig auf Social-Media-Nutzung zurückzuführen sind. Aber auch das Trainingsumfeld und das private Umfeld können falsche oder überholte Vorstellungen vermitteln.

Warnsignale

Die Symptome sind so vielfältig wie die Ursachen. Sie reichen von Konzentrations- und Schlafstörungen über verringerte Trainingserfolge, gehäufte Infekte und einen verlangsamten Herzschlag bis hin zu Ermüdungsbrüchen, Inkontinenz und Wachstumsverzögerungen. Bei weiblichen Sportlerinnen kann die Regelblutung aussetzen oder gar nicht erst eintreten.

Handeln

Grundsätzlich gilt: Je früher gehandelt wird, desto besser! Ein chronischer Krankheitsverlauf, die Entwicklung einer schwerwiegenden Essstörung und die Notwendigkeit jahrelanger Therapie können so im besten Fall verhindert werden. Bei Verdacht auf eine Erkrankung an REDs wird empfohlen, schnellstmöglich ärztlichen Rat und ärztliche Hilfe zu suchen.

Behandlung

Die Behandlung von REDs erfolgt im Optimalfall interdisziplinär unter Einbeziehung von Spezialisten aus den Bereichen Innere Medizin, Gynäkologie, Endokrinologie, Psychologie, Psychotherapie und Ernährungsberatung. Der erste Schritt besteht im Ausgleichen des Energiedefizits. Es folgen je nach Ausprägung des Krankheitsbilds individuelle, oft interdisziplinäre Therapien. Das Ziel ist neben der Gesundung auch die Erhaltung der Sporttauglichkeit der Patienten.

Prävention

Sensibilisierung und Wissensvermittlung durch frühzeitige Schulungen sowohl für die Sportlerinnen und Sportler als auch für ihr Umfeld – besonders Eltern und Trainer – sind das wirksamste Mittel, um einer Erkrankung an REDs vorzubeugen. Mit sensiblem Coaching sowie der Warnung vor Fehlinformationen insbesondere in Social Media können die Sportler geschützt werden. Für ein besseres Verständnis von gesunder Ernährung hilft eine alters- und leistungsgerechte Ernährungsberatung.

Anlaufstellen

Unter anderem an den vier Unikliniken Baden- Württembergs stehen Ansprechpartner für die REDs-Behandlung zur Verfügung. Eine Beratung und eine Vermittlung an die medizinischen Experten erfolgt für Kadersportlerinnen und -sportler auch an den Olympiastützpunkten.

Am Universitätsklinikum Tübingen können Kaderathleten auf das deutschlandweit erste interdisziplinäre Beratungs- und Behandlungsangebot für REDs zurückgreifen. Sie haben dort auch die Möglichkeit, freiwillig an einer dreijährigen Registerstudie teilzunehmen, die ein engmaschiges Monitoring beinhaltet. Aus diesem sollen Ableitungen für eine noch bessere Früherkennung, Behandlung und Prävention getroffen werden.

Kontakte

Universitätsklinikum Freiburg
Prof. Dr. med. Johana Kubosch | johanna.kubosch@uniklinik-freiburg.de

Universitätsklinikum Heidelberg
Prof. Dr. med. Birgit Friedmann-Bette | birgit.friedmann-bette@med.uni-heidelberg.de
Dr. Theresa Betz | theresamaria.betz@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum Tübingen
Dr. Christine Kopp | sportmed@med.uni-tuebingen.de

Universitätsklinikum Ulm
Leonie Fink | leonie.fink@uniklinik-ulm.de

Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald
Adelheid Morath | adelheid.morath@osp-freiburg.de

Olympiastützpunkt Rhein-Neckar
birgit.friedmann-bette@med.uni-heidelberg.de | theresamaria.betz@med.uni-heidelberg.de

Olympiastützpunkt Stuttgart
info@osp-stuttgart.de | sportmed@med.uni-tuebingen.de

Informationen zur REDs-Registerstudie
Dr. Daniel Haigis | daniel.haigis@med.uni-tuebingen.de

Foto: Uniklinikum Tübingen

Zur Person

Dr. Christine Kopp ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Sportmedizin und Ernährungsmedizin und Oberärztin am Universitätsklinikum Tübingen. Schon seit 25
Jahren betreut sie Kaderathletinnen und -athleten unterschiedlicher Sportarten. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat sie in Tübingen die deutschlandweit erste und bisher einzige interdisziplinäre REDs-Anlaufstelle aufgebaut.