Benedikt Bichlmeyr in der Kfz-Werkstatt der Technischen Betriebe Ludwigsburg. Foto: YAEZ

Sportliche Träume verfolgen und beruflich auf sicheren Beinen stehen: die „Partnerbetriebe des Spitzensports“ machen es möglich! Wie? Das zeigt das Beispiel von BMX-Racer Benedikt Bichlmeyr.

Mit einem leisen Surren befördert die Hebebühne den Pkw der Stadt Ludwigsburg in die Höhe. Als er mühelos unter dem Auto hindurchschreiten kann, stoppt Benedikt Bichlmeyr die Hydraulik. Dann rollt er einen Auffangbehälter unter das Gefährt und öffnet routiniert die Ablassschraube. Ein schwarzer, öliger Strahl ergießt sich in den Behälter. Wenige Sekunden später tröpfeln die letzten Milliliter Altöl aus der Ölwanne. Der erste Teil des Ölwechsels ist erledigt.

Teil zwei wird ausnahmsweise verschoben, denn heute ist Drehtag: Benedikt Bichlmeyr demonstriert eine seiner Aufgaben im Rahmen seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei den Technischen Betrieben der Stadt Ludwigsburg. Die Arbeit in der Kfz-Werkstatt bestimmt in der ersten Hälfte des Tages seinen Alltag. Der Nachmittag gehört dem Sport: Der 18-Jährige zählt zu Deutschlands großen Talenten im BMX-Racing.

Olympiatraum mit sicherer Perspektive

„Mein großer Traum ist es natürlich, an Olympischen Spielen teilzunehmen! Und ich will bei Europa- und Weltmeisterschaften oder internationalen Läufen im Finale stehen“, erklärt Benedikt Bichlmeyr. Seit etwa zehn Jahren betreibt er den BMX-Sport, anfangs noch parallel zum Fußball. „Dann hat mein Trainer vorgeschlagen, dass er mich mal zu einer Deutschen Meisterschaft mitnimmt. Mein Vater hat sich gefragt, ob sich das wirklich lohnt. Aber ich bin nie Letzter geworden. Und bei einem Talentcamp in Stuttgart ist dann endgültig mein Talent aufgefallen.“

Schon damals bestimmt Zielstrebigkeit sein Handeln: Im Alter von 16 Jahren verlässt Benedikt Bichlmeyr seine bayerische Heimat Peißenberg und zieht ins Sportinternat am Olympiastützpunkt Stuttgart. Seitdem arbeitet er mit seinen Trainern Jakob Bernhart und Simon Schierle für seine sportlichen Träume. Ob es irgendwann bis ganz in die Spitze reicht? Das steht wie so oft zu Beginn einer jungen Sportlerkarriere in den Sternen. Nur gut, dass Benedikt Bichlmeyr für die Zukunft vorgesorgt hat: Seit Ende 2024 absolviert er seine Ausbildung bei einem „Partnerbetrieb des Spitzensports“.

Freiraum für Training und Wettkämpfe

Die „Partnerbetriebe des Spitzensports“ sind eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg und dem Landessportverband Baden-Württemberg. Unternehmen, die sich dieser Initiative anschließen, ermöglichen Talenten im Leistungssport die duale Karriere und schaffen dank flexiblerer Arbeitszeiten und Freistellungen Freiräume, um Training und Wettkämpfe mit einer vollwertigen Berufsausbildung oder einer Festanstellung zu verbinden. Bei der Beratung und Vermittlung an einen Partnerbetrieb unterstützen die Laufbahnberater an den Olympiastützpunkten Baden-Württembergs.

„Die Stadt Ludwigsburg versteht sich als Sportstadt. Dieses Selbstverständnis wird von Stadtverwaltung und Kommunalpolitik, den Sportvereinen sowie den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam getragen“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. „Es ist uns daher ein großes Bedürfnis, in enger Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt Stuttgart in der Stadtverwaltung optimale Rahmenbedingungen für die sportliche und berufliche Entwicklung junger Menschen zu schaffen.“

Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Disziplin und Leistungsbereitschaft, die im Sport gefördert werden, seien auch in Ausbildung und Beruf von großem Wert. „Deshalb unterstützen wir sehr gerne junge Menschen, ihre sportlichen Ambitionen erfolgreich zu verfolgen und gleichzeitig eine solide berufliche Perspektive aufzubauen. So schaffen wir die Voraussetzungen, dass sportliche Höchstleistungen und eine sichere Zukunft Hand in Hand gehen.“

Chance, die „Gold wert ist“

Auch für Benedikt Bichlmeyrs Ausbilder Frank Hirsch, Stellvertretender Bereichsleiter der Kfz-Werkstatt der Technischen Dienste, ist die Beschäftigung von Spitzensportlern eine Konstellation, von der beide Seiten profitieren. Erfahrungen konnte der Betrieb schon zuvor damit sammeln: Bevor er sich als Wurftrainer einen Namen machte und im Team von Yemisi Mabry, geb. Ogunleye, den Olympiasieg feierte, absolvierte Artur Hoppe – damals noch selbst Kugelstoßer – in der Kfz-Werkstatt die gleiche Ausbildung wie jetzt Benedikt Bichlmeyr.

„Sportler sind von Haus aus ehrgeizig, sie sind zuverlässig und kontaktfreudig. Das alles spiegelt sich auch im Beruf wider“, stellt Frank Hirsch fest. „Mit der Ausbildung haben Sportler eine sichere Lebensgrundlage. Und wenn sie dann noch in einem Betrieb sind, bei dem sie die Chance auf Weiterbeschäftigung haben, dann ist das für sie Gold wert.“

Finanzielle Unabhängigkeit

Benedikt Bichlmeyr setzt für die Berichterstattung über seine duale Karriere die Praxisdemonstration fort, schnappt sich einen Autoreifen von einem Stapel und spannt ihn auf die Wuchtmaschine. Klappe zu – den Rest erledigt das Gerät von alleine. „Was mir an der Ausbildung gefällt, ist die Vielfältigkeit der Aufgaben. Hier lernst du wirklich alles!“ erklärt er. Ölwechsel, Getriebewechsel, Reifenservice, Fehlerdiagnose, Wartung, Reparaturen: All das steht für den Auszubildenden auf der Tagesordnung. Die Kfz- Werkstatt ist verantwortlich für die Fahrtüchtigkeit aller städtischen Fahrzeuge, von Pkws über Transporter bis hin zu Lkws, und übernimmt in Ludwigsburg auch den Winterdienst. 13 Mitarbeitende sind dort in den Bereichen Mechatronik, Karosseriebau, Fahrzeuglackierung und Lagerverwaltung beschäftigt.

„Ich war schon immer jemand, der viel mit den Händen gearbeitet hat. Nach meinem Realschulabschluss wollte ich etwas Praktisches machen. Und finanziell unabhängig werden von meinen Eltern. Denn ich habe einen Bruder, und der soll nicht meinetwegen zurückstecken“, berichtet Benedikt Bichlmeyr, der auch in seiner Freizeit gerne an Zwei- und Vierrädern schraubt. Die Kosten für den BMXRacer sind nicht zu unterschätzen: Ein Bike kostet etwa 5.000 Euro, der Rahmen muss regelmäßig ausgetauscht werden, hinzu kommen die weitere Ausrüstung, Trainingslager und Reisen zu Wettkämpfen. Bei der Bewältigung der leistungssportbedingten Mehraufwände wird der Nachwuchssportler auch von der Stiftung OlympiaNachwuchs Baden-Württemberg unterstützt.

Erfolge entschädigen für lange Tag

Nach einem Jahr Wettkampfpause aufgrund eines Kreuzbandrisses und eines gebrochenen Kahnbeins zeigt die Formkurve des 18-Jährigen in der Saison 2026 mit vorderen Platzierungen in internationalen Feldern wieder steil nach oben. „Das Gefühl ist atemberaubend, wenn man mit seinem Bike in der Luft schwebt und dann mit viel Speed wieder zurück auf die Strecke fliegt“, schwärmt er von seinem Sport. „Am schönsten sind die Erfolgserlebnisse, wenn man etwas Schweres geschafft hat.“

Diese Momente entschädigen für manch langen und anstrengenden Tag: Um 5:15 Uhr klingelt bei Benedikt Bichlmeyr der Wecker, um 5:30 Uhr fährt er in die Werkstatt. Um 6:00 Uhr setzt er sich dort eine halbe Stunde an den Schreibtisch und lernt, bevor er sich an die Arbeit macht. Pünktlich um 15:00 Uhr ist Feierabend – und ab 15:30 Uhr Zeit fürs Training. Montag, Donnerstag und Freitag geht’s auf die BMX-Strecke, am Mittwoch stehen Sprints auf Asphalt an, dienstags und samstags Krafttraining. Von den Wettkämpfen ganz zu schweigen.

„Das ist alles Gewöhnungssache“, stellt Benedikt Bichlmeyr fest. „Am Anfang war es hart. Aber ich bin sehr ehrgeizig und auch gut in der Schule. Ich mache einfach, was ich machen muss.“ Mit dieser Einstellung hat er sich längst den Respekt und die Anerkennung seiner Kollegen erarbeitet. Und auch die nächsten sportlichen Erfolge dürften nicht lange auf sich warten lassen.

Dieser Beitrag ist zuerst im Magazin „Sport in BW“, Ausgabe 07/2026 erschienen.

„Partnerbetriebe des Spitzensports“

Die „Partnerbetriebe des Spitzensports“ sind eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg und dem Landessportverband Baden-Württemberg. Unternehmen, die sich dieser Initiative anschließen, ermöglichen Talenten im Leistungssport die duale Karriere und schaffen dank flexiblerer Arbeitszeiten und Freistellungen Freiräume, um Training und Wettkämpfe mit einer vollwertigen Berufsausbildung oder einer Festanstellung zu verbinden. Bei der Beratung und Vermittlung an einen Partnerbetrieb unterstützen die Laufbahnberater an den Olympiastützpunkten Baden-Württembergs.