
Christian Taylor (2.v.r.) im Gespräch mit Fortbildungsteilnehmern. Foto: LSVBW
Internationale Vernetzung und internationaler Wissensaustausch nehmen in Baden-Württembergs Sport einen großen Stellenwert ein. Beispielhaft steht dafür eine Exzellenzfortbildung für Leichtathletik-Trainer, für die am Montag in Stuttgart Dreisprung-Olympiasieger Christian Taylor als Referent zu Gast war.
„Speed wins“ – Schnelligkeit siegt, erklärt Christian Taylor, und: “Wir dürfen keine Angst vor Geschwindigkeit haben!“ Gebannt lauschen die Teilnehmenden der Exzellenzfortbildung in Stuttgarts Molly-Schauffele-Halle dem Ausnahmesportler. Mit zwei Olympiasiegen sowie vier WM-Goldmedaillen im Dreisprung zählt der US-Amerikaner zu den herausragenden Athleten seiner Generation.
An der Seite seiner Ehefrau Beate Taylor hat der 35-Jährige nach seinem Karriere-Ende in deren Heimat Österreich das Amt des Vize-Leistungssportkoordinators angetreten und gibt dort sein Wissen auch als Nationaltrainer für Horizontalsprünge weiter. Am Montag profitierten von diesem Wissen auf Einladung ihrer Fachverbände Leichtathletik-Landes- und Vereinstrainer aus Baden-Württemberg und Bayern.
Internationale Vernetzung öffnet neue Türen
Es war ein ganz besonderes Gastspiel, das auf langjähriger internationaler Zusammenarbeit basiert. Denn ausgesprochen hatte die Einladung Baden-Württembergs Landesleistungssportdirektor Sven Rees, welcher der Olympia-Finalistin von 2012 Beate Taylor noch unter ihrem Mädchennamen Schrott im Hürdensprint viele Jahre als Trainer und Berater zur Seite stand. „Daraus ist über die Jahre eine Freundschaft auch mit ihrem jetzigen Ehemann Christian Taylor entstanden“, erklärt Sven Rees.
Die Leichtathletik Baden-Württemberg hat gemeinsam mit dem Bayerischen Leichtathletik-Verband in unregelmäßigen Abständen Exzellenzfortbildungen zur internen Mitarbeiterqualifizierung etabliert, die durch hervorgehobene Themen oder Referenten außergewöhnliche Impulse setzen sollen. „Da bot es sich an, Christian und Beate Taylor in ihrer neuen Rolle als Leistungssportkoordinatoren in Österreich zu uns einzuladen. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Leichtathletik-Verband können wir sowohl den überregionalen als auch den internationalen Austausch intensivieren.“
Schnelligkeit und Kraft als zentrale Komponenten
In einem etwa anderthalbstündigen Vortrag teilte Christian Taylor am Montag seine Trainingsphilosophie und beantwortete anschließend die Fragen der Anwesenden. In einer Praxiseinheit mit Athletinnen und Athleten aus dem Landeskader konnten sich die Trainerinnen und Trainer am Nachmittag zahlreiche Übungen vom Olympiasieger abschauen.
Die zentralen Botschaften des Ex-Dreispringers zu den leistungsbestimmenden Faktoren Schnelligkeit und Kraft gingen dabei weit über die Spezifik der Leichtathletik und den Horizontalsprung hinaus. „How you train matters – Wie du trainierst ist entscheidend. Du musst deinen Körper auf die spezifischen Anforderungen der Disziplin vorbereiten. Je früher man daran herangeführt wird, umso größer ist die Chance des Körpers sich anzupassen.“
Leidenschaft und Fachkenntnis
An einen Trainingsansatz, der zu allen Athletinnen und Athleten passt, glaube er nicht. Ihre Einstellung aber müsse zum Leistungssport passen: „Athletinnen und Athleten müssen sich in das verlieben, was sie tun“, erklärte Christian Taylor. „Und sie müssen sich mit dem auskennen, was sie an die Spitze bringt: Wer sind meine Gegner? Was machen sie besser als ich?“
Das Wissen um individuelle Stärken oder kleine Vorteile gegenüber der Konkurrenz könne auch den Trainerinnen und Trainern in der alltäglichen Arbeit dabei helfen, ihre Schützlinge zu stärken und zu motivieren: „Plant seeds of confidence and seeds of belief“, riet er den Anwesenden – „Pflanzt in euren Athleten Selbstvertrauen und den Glauben an sich selbst!“
In Zeiten von Social Media sei die Versuchung für Athletinnen und Athleten groß, nach sofortiger Belohnung für ihren Einsatz zu streben. Am Ende seien es aber doch immer konsequente Arbeit und Geduld, die zum Erfolg führen.










