Nico Messinger ist ein Medaillenkandidat bei den Paralympischen Spielen.
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Mit 31 Jahren hat der sehbehinderte Nico Messinger 2026 erstmals den Gesamtweltcup im Para Biathlon gewonnen – und ist ein heißer Medaillenkandidat bei den Paralympischen Winterspielen im März. Dabei dachte er nach den Spielen in Peking 2022 noch daran, seine sportliche Karriere zu beenden.

Ohne den Para Sportler Wilhelm Brem wäre Nico Messinger heute wohl kein Biathlet. Seine ersten Erfahrungen mit dem Skilanglauf hatte der Freiburger bereits in einem Grundschulprojekt gesammelt. Doch erst als Wilhelm Brem bei den Paralympischen Spielen 2010 Gold im Biathlon gewann, wurde seine Neugier richtig geweckt. Er nahm Kontakt mit einem Verein auf und fand Gefallen an der Sportart. „Ich bin sehr gerne draußen und mag die Vielseitigkeit des Trainings. Wir machen Krafttraining, gehen laufen, fahren Rad und verbringen viel Zeit auf den Skirollern – da wird es nie langweilig“, erzählt der Para Sportler.

Das fleißige Training zahlte sich aus: 2011 gab Nico Messinger sein Weltcup-Debüt. Mit einer Ausbildung zum Automobilkaufmann bei einem Partnerbetrieb des Spitzensports schlug er, begleitet von der Laufbahnberatung am Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald, früh den Weg zur dualen Karriere ein. 2018 und 2022 trat er bei den Paralympischen Spielen an. Den Sport finanzierte sich Nico Messinger unter anderem mit Fördergeldern der Stiftung OlympiaNachwuchs Baden-Württemberg, arbeitete zudem Teilzeit als Automobilkaufmann.

Doch die Doppelbelastung hinterließ Spuren. „Ich habe in Peking auf eine Medaille geschielt, war dafür aber in zu schlechter körperlicher Verfassung“, erinnert sich Nico Messinger. „Der Gedanke aufzuhören lag nahe, aber so wollte ich meine Karriere nicht beenden.“

Leistungssteigerung dank Profisport

Ohne Druck und Erwartungen startete er 2023 in seine vermeintlich letzte Saison und eine weitere Weltmeisterschaft. Mit einem Weltmeistertitel, zwei Silber- und einer Bronzemedaille schaffte er dort endgültig den Sprung an die Spitze des Para Langlaufs und Biathlons. Seitdem ist er als Mitglied des Zoll Ski Teams Profisportler. „Dass ich mich nun voll auf den Sport konzentrieren kann, merke ich an meinen Trainingsumfängen und dadurch auch an den Ergebnissen. Das war für mich der richtige Schritt“, sagt der Athlet, der nach wie vor an der Hochburg des paralympischen Wintersports, dem Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald, betreut wird.

Zur Seite steht ihm seit 2019 sein Guide Robin Wunderle, selbst ehemaliger Biathlet und Sportsoldat. „Wir verstehen uns auch außerhalb des Sports sehr gut und sind auf einer Wellenlänge. Das ist wichtig für eine gute Dynamik beim Langlaufen“, erklärt Robin Wunderle. Mit jahrelangem Training haben die beiden es perfektioniert, eine Einheit auf der Loipe zu bilden.

Am Schießstand ist Nico Messinger hingegen auf sich allein gestellt. Dabei schoss er bis vor einigen Jahren so schlecht, dass seine Trainer ihn nur noch im Langlauf einsetzen wollten. „Das kam für mich aber überhaupt nicht infrage“, lacht Nico Messinger. Stattdessen arbeitete er weiter an seiner Leistung – und zeigte in diesem Jahr gleich mehrmals ein fehlerfreies Schießen. Diese Entwicklung war lange nicht abzusehen, macht aber Hoffnung für die Paralympics-Wettbewerbe in Val di Fiemme. „Ich erwarte mir ganz klar eine Medaille. Wenn wir einen guten Tag erwischen, kann da richtig viel nach vorne gehen“, kündigt er an. Dass er einst ans Aufhören dachte, ist heute kaum vorstellbar – in Milano Cortina 2026 steht Nico Messinger so entschlossen am Start, wie nie zuvor.