Nachwuchsfechterin Ella Gamke

Foto: Team Bizzi

Das Jahr von Florettfechterin Ella Gamke gleicht einer Achterbahnfahrt: Anfang des Jahres nimmt sie erstmals an einer Junioren-EM teil und schafft es direkt unter die Top 12. Doch dann reißen ihre Bänder in der unmittelbaren Vorbereitung auf die WM. In der neuen Saison möchte sie nun den Sprung in das Nationalteam schaffen. Auf diesem Weg wird die 19-Jährige seit mittlerweile vier Jahren von der Stiftung OlympiaNachwuchs Baden-Württemberg unterstützt. Darüber hinaus absolviert sie seit September 2025 einen über die Baden-Württembergische Sportjugend (BWSJ) koordinierten Bundesfreiwilligendienst im Spitzensport beim FC Tauberbischofsheim.

Ella, was macht für dich deine Sportart aus, was macht sie besonders?

Das Schöne am Fechten ist, dass nicht der Größte, Stärkste oder Schnellste gewinnt. Kein Gegner ist gleich, kein einziges Gefecht ist wie das andere. Man muss sich ständig an neue Situationen anpassen und sein eigenes Fechten umstellen. Der Umgang mit hohem Stress und Druck, das Eins-gegen-eins auf der Fechtbahn, die Teamwettbewerbe, nahe und ferne Turnierreisen, Siege und Niederlagen haben meinen Charakter weiterentwickelt, mich stärker und resistenter gemacht.

Jeder fängt klein an. Wie und wo hast du deine ersten Schritte im Sport gemacht?

Als ich sieben Jahre alt war, sind meine Familie und ich 2014 aus Neugier zu einem Fecht-Weltcup in meine Heimatstadt Leipzig gefahren. Die Atmosphäre in der Halle und der Sport haben mich schon damals fasziniert. Im darauffolgenden Schuljahr wurde zu meinem Glück an meiner Grundschule eine Fecht-AG angeboten, welche ich mit viel Spaß besuchte. Ende desselben Jahres wurde ich zur sogenannten “Turnierreifeprüfung” eingeladen, also einer Art Eignungstest für Wettkämpfe. Vor Ort habe ich meine inzwischen ehemalige Trainerin Anja Schache kennengelernt, die mich in den nächsten neun Jahren ausgebildet und betreut hat.

Wer oder was hilft dir, dich sportlich weiterzuentwickeln?

Die offensichtliche Antwort lautet wohl mein Trainer, der Damenflorett-Bundestrainer Hannes Jetz. Neben dem täglichen Gruppentraining habe ich mit ihm dreimal die Woche Einzellektionen, wodurch meine Technik und Taktik stetig verbessert werden. Zudem betreut er uns auf Turnieren und hilft mir, die Gegner zu durchschauen und wenn alles funktioniert zu besiegen.

Doch die Kombination aus langen Wettkampftagen mit intensiven Phasen und dem Druck, erfolgreich zu sein, hat mich bereits unzählige Male an meine Grenzen gebracht. Seit mittlerweile fast zwei Jahren arbeite ich mit einem Mentaltrainer. Ohne ihn wären meine Nerven weniger gestählt und mein Vermögen vermindert, meinen Fokus gezielt zu setzen. Vor allem konnte ich durch ihn nach einem verletzungsbedingten Tief den Spaß auf Wettkämpfen wieder finden, was mein persönliches Geheimrezept für Erfolg ist. Dafür kann ich nur danke sagen.

Was war bislang dein sportliches Highlight?

Durch das Fechten konnte ich schon viel erleben und bereits zahlreiche Eindrücke aus Ländern der ganzen Welt sammeln. Wenn ich eins der vielen Highlights auswählen müsste, wäre es vermutlich die EM in diesem Jahr in Tiflis. Ich habe es diese Saison endlich geschafft, mich für die Juniorenausgaben der EM und WM zu qualifizieren.
Der gegenseitige deutsche Support unter den verschiedenen Waffen, also Degen, Säbel und Florett, hat eine ganz wunderbare Atmosphäre geschaffen. Diese Wahnsinnsstimmung hat mein Fechten auf eine andere Ebene gehoben, sodass ich es unter die besten zwölf Junior-Florettfechterinnen Europas geschafft habe. Ich durfte vor Ort eine geniale Zeit mit dem ganzen Team genießen. Bei der WM in Rio de Janeiro konnte ich leider nicht mitfechten, da ich mir in der unmittelbaren Vorbereitung einen doppelten Bänder riss zugezogen hatte.

Ein Blick in die Zukunft: Was sind deine nächsten, was die größten sportlichen Ziele?

Diese Saison war meine letzte im Nachwuchsbereich. Ab sofort fechte ich ausschließlich in der Frauenklasse mit. Mein Ziel für die kommende Saison ist es, Erfahrungen auf dem hohen internationalen Niveau zu sammeln. Ich möchte mich durch gute Ergebnisse in das deutsche Nationalteam fechten, also die besten Vier. Und natürlich ist eine Olympiateilnahme mein größter Traum und schwebt als oberstes Ziel über allem.

Hintergrund

Ella Gamke gehört zu den derzeit gut 100 Athletinnen und Athleten, die im Jahr 2026 aufgrund ihres Talents und anderer Kriterien eine finanzielle Förderung durch die Stiftung OlympiaNachwuchs Baden-Württemberg erhalten. Die Stiftung unterstützt damit junge Kaderathletinnen und -athleten bei der Verwirklichung ihrer leistungssportlichen und schulischen Ziele. Damit ist sie ein zentraler Baustein im Leistungssportkonzept des Lands Baden-Württemberg.