Prof. Dr. Martin Elsäßer

Foto: LSVBW / Fabian Schumacher

Ob beim Thema Wald, Hitze, Bewässerung oder Biodiversität: Sport und Umwelt gehören untrennbar zusammen, müssen aber ihr Verhältnis immer wieder neu aushandeln. Seit den 1990er Jahren beschäftigt sich eine Fach-Kommission des LSVBW mit der Schnittstelle zwischen Sport und Umwelt. Im Interview spricht Prof. Martin Elsäßer – Grünlandexperte, Golfsportler und Vorsitzender der Fach-Kommission – über die aktuellen Schwerpunkte des Gremiums.

Herr Prof. Dr. Elsäßer, Sie sind seit der Mitgliederversammlung 2025 Vorsitzender der Fach-Kommission Sport und Umwelt. Warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?

Bei mir kommen Sport und berufliche Kompetenz zusammen. Ich treibe seit meiner Jugend Sport, zunächst als Radrennfahrer, dann 20 Jahre im Volleyball und nun bin ich seit vielen Jahren im Golf aktiv. Beruflich war ich 35 Jahre lang Grünlandexperte an der Versuchsanstalt in Aulendorf und habe als Professor an der Uni Hohenheim gelehrt. Das Thema beschäftigt mich aus Sorge um die Natur und die Veränderungen von Biodiversität und Klima, wie das Waldsterben und die extreme Trockenheit. Das ist auch im Sport schon spürbar.

Die Kommission besteht aus Vertretern der Sportbünde, der Sportfachverbände, der Ministerien und des Landesnaturschutzverbandes – welche Ziele verfolgt sie?

Zunächst freue ich mich über diese bunte Zusammensetzung. Denn durch die Vielfalt gehen wir mit verschiedenen Kompetenzen in eine gemeinsame Richtung. Wir möchten möglichst viele Belange des Sports in der Umwelt abdecken. In dieser Wahlperiode haben wir dafür die Schwerpunkte Natursport, Naturschutz und passende Kooperationen festgelegt.

Dazu müssen wir uns mit vielen Themen befassen. Der Wald ist ein wichtiger Teil unserer Umwelt. Wir erleben ihn aber auch als zunehmendes Konfliktfeld, etwa mit Blick auf das Mountainbiken. Da geht es uns auch um die Sensibilisierung für den Umgang miteinander und mit der Natur. Die Biodiversität nimmt generell ab, aber wir können sie im Sport fördern, indem wir Anlagen begrünen und Blumenwiesen anlegen. Auch Wasser, Hitze und Trockenheit stehen auf unserer Agenda. In all diesen Bereichen ist es wichtig, dass wir sie in unserer Kommission diskutieren und Maßnahmen umsetzen.

Daneben setzen wir uns auch mit Gesetzen und Verordnungen auseinander, die Einfluss auf den Sport haben. Die Wiederherstellungsverordnung der EU betrifft uns massiv, da wir verpflichtet sind, die Umwelt in einen guten Zustand zu versetzen.

Sie widmen sich auch der Klimakrise und ihren Auswirkungen. Inwiefern ist der Sport davon betroffen?

Fußball, Tennis, Golf und viele andere brauchen Wasser für ihre Plätze. Dabei beeinflusst uns die EU-Wasserentnahmerichtlinie, denn aktuell darf vielerorts kein Wasser aus Oberflächengewässern entnommen werden. Auch das Grundwasser sollten wir möglichst nicht antasten. Das ist ein Konfliktfeld. Gleichzeitig belegen Studien, dass bestimmte Vegetationsformen wie Rasen die Kühlung in Städten fördern. Die Hitze ist für uns ein zunehmendes Risiko. Wir brauchen dringend Schattenbäume auf den Sportanlagen, aber nicht alle Bäume halten extremer Hitze stand. Insofern geht es darum, Baumarten gezielt auszuwählen.

Welche ersten Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?

Wir überarbeiten gerade mit dem Landesnaturschutzverband das Papier „Natursport“. Natursportarten, zum Beispiel Kanufahren, Mountainbiken und Klettern, nutzen die offene Landschaft. Im Papier hat jede der elf Sportarten einen Steckbrief mit entsprechenden Handreichungen. Durch die Zusammensetzung unserer Kommission bringen wir sowohl die Fachexpertise der Ministerien als auch die sportliche Perspektive mit ein.

Ein weiterer Erfolg ist die Kooperation mit der Klimaschutzstiftung. Es gibt nun das Sportmoor, für das Vereine, Verbände und ihre Mitglieder spenden können. Damit werden ein Moor in Villingen-Schwenningen renaturiert und die CO2-Emissionen reduziert. So können Vereine auch mit geringen Beträgen direkt etwas für den regionalen Klimaschutz tun. Die vielen kleinen Aktionen ergeben zusammen ein großes Bild.

Was möchten Sie während Ihrer Amtszeit noch angehen?

Die Klärungsstelle ist ein wichtiger Akteur für das Thema Sport und Umwelt. Dort können wir frühzeitig fachliche Lösungen erarbeiten. Daher ist es uns wichtig, dass sie beim für Sport zuständigen Ministerium angesiedelt ist. Ansonsten planen wir, die Menschen aus dem nicht-organisierten Sport besser einzubeziehen. Für die vielfältigen Anliegen des Sports wünschen wir uns eine solide fachliche Unterstützung in allen Bereichen, bis hin zu den Ministerien. Dafür möchten wir als Kommission ein kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner sein.

Fach-Kommission Sport und Umwelt

Die Fach-Kommission Sport und Umwelt ist ein Gremium, das erstmals in den 1990er Jahren einberufen wurde. Die Kommission berät das Präsidium des Landessportverbands hinsichtlich der Umsetzung des §15 der Satzung, in dem sich der LSVBW zum Schutz der Natur und zu einer nachhaltigen Entwicklung im
Sport bekennt. Die Kommission wird vom Präsidium eingesetzt.