
Training im Fight Gym Rovinj.
Andere Trainingskulturen, neue Methoden und frische Motivation: Das EU-Förderprogramm „Erasmus+ Sport“ ermöglicht Sportvereinen ein Jobshadowing im Ausland, um ihr Training und ihre kulturellen Kompetenzen zu verbessern. Diese Chance nutzten zehn Mitglieder des Olympic Gym Ulm und reisten im Juni nach Kroatien.
Michael Martin ist begeistert: „Der Aufenthalt in Rovinj hat mir richtig viel Spaß gemacht. Das war eine tolle Erfahrung!“ Was nach sonnigen Erinnerungen an den letzten Urlaub klingt, war in Wirklichkeit ein Austauschprogramm im Rahmen des Förderprogramms „Erasmus+ Sport“ der Europäischen Union. Gemeinsam mit neun weiteren Mitgliedern des Olympic Gym Ulm besuchte Michael Martin in den Pfingstferien den Boxverein Fight Gym Rovinj.
In sieben gemeinsamen Einheiten tauchten die Männer und Frauen zwischen 18 und 51 Jahren in die kroatische Trainingswelt ein. Michael Martin betreibt schon seit der Grundschule Kampfsport, zunächst Judo, später Kickboxen. Während seiner aktiven Karriere war er auf internationalen Wettkämpfen unterwegs. Inzwischen ist der 44-Jährige im Olympic Gym Ulm Trainer für Kickboxen, (Thai-)Boxen und Brazilian Jiu-Jitsu. „Mich hat es interessiert zu lernen, wie
sich die Trainingsmethoden im internationalen Kampfsport in den letzten Jahren verändert haben. Wir wollen auf dem neusten Stand bleiben, dafür ist so ein Austausch wichtig.“
Unterschiede im anaeroben Training
Um das kroatische Training zu verstehen, nutzten die Mitglieder des Olympic Gym Ulm zunächst das reguläre Angebot des Fight Gyms Rovinj. Nach den ersten zwei Einheiten wurde getauscht und die Deutschen unterrichteten die kroatischen Gastgeber. „Der Trainingsaufbau unterscheidet sich eigentlich kaum“, stellte Michael Martin fest. Aufwärmen, Technik, Kondition und Cool Down waren auch in Rovinj die typischen Module eines Trainings. Doch beim Fight Gym spielt die anaerobe Belastung eine wesentlich größere Rolle als in Michael Martins Training. „Wir sind in Deutschland sehr taktisch unterwegs. Die Kroaten sind
das auch, aber sie können aufgrund ihrer an aeroben Kondition eine hohe Abschlussquote länger halten“, stellt der Kampfsportler fest, der hauptberuflich als selbstständiger Kältetechniker arbeitet.
Die Unterschiede in den Trainingsmethoden sorgten für einen regen fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden. Ein Grund für den Fokus auf anaerobes Training sei das warme Wetter in Kroatien. Doch die Hitze beeinflusst auch in Deutschland immer häufiger den Sportbetrieb. Michael Martin konnte für sich einige Ideen aus Kroatien mitnehmen: „Im Nachhinein habe ich mir gedacht ‚Warum hast du das nicht schon früher gemacht?‘ Wir stecken oft in unseren Routinen fest, der Austausch hat mich motiviert, mal wieder etwas Neues auszuprobieren.“

Besuch der Turina-Festung.
Kultur und Sport im Fokus
Neue Eindrücke erhielten die Teilnehmenden des „Erasmus+ Sport“-Programms auch während der Freizeit-Aktivitäten. Unter anderem besuchten sie die Turina-Festung und den Brijuni Nationalpark, Residenz des einstigen Staatschefs von Ex-Jugoslawien Josip Broz Tito. Damit stärkte der Auslandsaufenthalt nicht nur den fachlichen, sondern auch den kulturellen Austausch zwischen den europäischen Nationen.
Zurück in Deutschland hat Michael Martin seinen Unterricht angepasst. Die taktischen Schrittfolgen und Abläufe behält er bei, aber es gibt nun mehr Leistungstraining, damit die Athletinnen und Athleten langfristig mehr Energie haben. „Bislang macht den Trainingsteilnehmenden die höhere Belastung viel Spaß“, lacht er.
In Zukunft möchte das kroatische Team auch für einige Zeit nach Deutschland kommen, zudem seien weitere Kooperationen im Boxsport angedacht. „Am Ende ist solch ein internationaler Austausch aber natürlich eine finanzielle Frage. Daher ist es gut, dass es mit Erasmus+ Sport eine Förderung gibt“, zieht Michael Martin sein Fazit.

Hintergrund
Das Förderprogramm „Erasmus+ Sport“ der Europäischen Union richtet sich an Engagierte aus dem Breitensport, die sich kulturell und sportlich weiterentwickeln wollen. Es unterstützt einen Auslandsaufenthalt mit bis zu 100 Prozent der Kosten. Bei Interesse können neue Förderanträge bis zum
1. Oktober 2026 gestellt werden. Der LSVBW-Referent für Grundsatzfragen Torsten Schnittker, T.Schnittker@lsvbw.de, steht bei Fragen zur Verfügung.
Ausführliche Informationen zu Erasmus+ Sport und zu weiteren Fördermöglichkeiten gibt es bei der Agentur Jugend für Europa oder im umfangreichen Programmleitfaden Erasmus+.









