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Die Baden-Württembergische Sportjugend (BWSJ) war Mitte Februar in Tuttlingen Gastgeber der ersten von insgesamt zehn Jugendkonferenzen im Sport. 65 junge Menschen, die derzeit einen Freiwilligendienst im Sport leisten, gestalteten im Rahmen ihres Zwischenseminars den abwechslungsreichen und intensiven Nachmittag mit.

Neue Perspektiven, Einblicke und neue Impulse – das erhofften sich die Teilnehmenden der ersten Jugendkonferenz im Sport im Februar in Tuttlingen. Selina Schwab, Sprecherin des BWSJ-JuniorTeams und U27-Mitglied im BWSJ-Vorstand, lud die Jugendlichen in ihrem Grußwort dazu ein, die Stunden zu nutzen „um Fragen zu stellen, Ideen zu spinnen, sich zu vernetzen und in neue Blickwinkel einzutauchen.“ Die Jugendbeteiligung sei zentraler Bestandteil einer lebendigen Demokratie. Umso wichtiger sei es, nicht nur zu zuschauen, sondern mitzudiskutieren und mitzugestalten.

Genau diese Gedanken liegen den Jugendkonferenzen – einer Initiative des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg – zugrunde. Ursprünglich für Schulen konzipiert, werden sie 2026 mit der BWSJ als Träger und mit Unterstützung der Sportjugenden der Sportbünde erstmals im Sport ausgerollt. Junge Menschen sollen auch außerhalb des Schulkontextes stärker in politische Prozesse eingebunden werden und Raum für aktive Mitgestaltung erhalten. Mit Werten wie Fairness, Respekt und Mitverantwortung, die auch einer demokratischen Gesellschaft zugrunde liegen, bietet der Sport ideale Anknüpfungspunkte.

Lebhafte Diskussionen

Moderiert von Nadja Örum, Moderatorin der Jugendstiftung BW, und Aiga Schneider, selbst aktuell Freiwilligendienstleistende im Sport, bot die Jugendkonferenz in Tuttlingen viele Möglichkeiten zur Teilhabe.

Gleich zu Beginn war in einem bewegten Format die Einschätzung der jungen Menschen zu verschiedenen Themen gefragt: Wer einer Aussage zustimmte, stand auf; wer dagegen war, blieb sitzen. Auch wenn überwiegend große Einigkeit herrschte, ließ sich bereits erahnen, dass lebhafte Diskussionen folgen würden – etwa zum Thema eines verpflichtenden sozialen Jahres: Einerseits profitieren die sozialen Berufe davon, weil sich die Freiwilligendienstleistenden danach häufig in ähnlichen Bereichen engagieren. Andererseits wurde kritisiert, dass niemandem etwas vorgeschrieben werden dürfe.

Bündelung von Forderungen und Maßnahmen

Im Anschluss rückten zehn Themen stärker in den Fokus. Die Teilnehmenden wechselten in einer Schnellbeteiligungsrunde alle drei Minuten den Tisch und hielten ihre spontanen Gedanken in Form von Hashtags fest. Zum Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) fielen dabei etwa Schlagworte wie #FakeNews, #Hilfeoptionen und #mehrBildung. Zur Gleichberechtigung wurden unter anderem #GenderPayGap, #Bildungfüralle und #Vorurteile genannt.

In der Vertiefungsrunde erarbeiteten die Teilnehmenden konkrete Forderungen und Maßnahmen. So sprachen sie sich für mehr Fortbildungen für Lehrkräfte im Bereich von Digitalisierung und KI aus, um eine bessere Aufklärungsarbeit für Kinder und Jugendliche leisten zu können. Im Sinne der Gleichberechtigung wurde gefordert, kostenlose Periodenprodukte in Sportvereinen bereitzustellen. Zur Stärkung der Jugendbeteiligung wünschten sie sich mehr auf Jugendliche ausgerichtete Ämter in Sportvereinen sowie eine stärkere kommunale Jugendarbeit. Und für den Bereich Politik regten sie Wahlprogramme gezielt für junge Menschen an.

Impulse werden weitergetragen

Die Baden-Württembergische Sportjugend nimmt die gebündelten Impulse aus der Jugendkonferenz mit in die Sportstrukturen. Bei der Landesjugendkonferenz des Kultusministeriums am 15. Juli in Stuttgart haben engagierte Jugendliche außerdem die Gelegenheit, ihre Anliegen direkt mit Landespolitikerinnen und -politikern zu diskutieren.

In der Abschlussrunde wurde deutlich, dass viele der im Vorfeld geäußerten Hoffnungen der Teilnehmenden erfüllt wurden und die Sorge, es könnte langweilig werden, unbegründet war. Die Jugendlichen bezeichneten die Premiere der Jugendkonferenzen im Sport als sehr interessant und waren sich einig, dass wichtige Themen angesprochen wurden. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wertvoll Engagement, Austausch und Mitgestaltung auch im Sport sind und dass jede Idee zählt, wenn junge Menschen aktiv mitreden.