
Foto: LSVBW / Fabian Schumacher
Die Sportpolitik in Baden-Württemberg wird unter der neuen Landesregierung künftig im Bauministerium gestaltet – eine Entscheidung, die auch den Landessportverband überrascht hat. LSVBW-Präsident Jürgen Scholz freut sich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Ministerin Theresa Schopper, erwartet aber besonders in der Übergangsphase erhöhte Aufwände für den organisierten Sport und pocht auf die Klärung dringlicher noch offener Fragen.
Die grün-schwarze Koalition unter Baden-Württembergs neuem Ministerpräsidenten Cem Özdemir hat in den zurückliegenden Wochen die Weichen für die künftige politische Arbeit im Land neu gestellt. Nachdem zunächst die Ministerposten vergeben wurden, folgten zuletzt Informationen dazu, welche Themenfelder in den jeweiligen Ministerien konkret angesiedelt sind. Zentrale Änderungen betreffen auch den organisierten Sport: Nach 30 Jahren im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport – acht Legislaturperioden – soll der Sport in das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, kurz Bauministerium, wechseln. Unklar sind dazu jedoch wichtige Details. Was bleibt, ist die zuständige Ministerin: Theresa Schopper, bisher Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, wird Bauministerin und hat dort weiter den Sport unter sich.
„Im Solidarpakt Sport V ist viel Geld für die Sportstätteninfrastruktur vorgesehen, daher liegt die Verknüpfung von Bauen und Sport in Baden-Württemberg näher, als man auf den ersten Blick denken mag“, stellt LSVBW-Präsident Jürgen Scholz fest, erklärt aber auch: „Wir waren bei dieser Entscheidung nicht eingebunden, daher hat sie uns ebenso überrascht wie sicher viele andere auch.“ Die Fortführung der Zusammenarbeit mit Ministerin Theresa Schopper bewertet er positiv: „Jede Einarbeitung in die Vielfalt des Sports kostet Zeit und Kraft, daher schätzen wir diese Kontinuität. Ich möchte betonen, dass wir als organisierter Sport bisher mit allen Sportministerinnen und -ministern sehr gut gefahren sind.“
Viele offene Fragen
Dennoch wird der Ministerienwechsel den organisierten Sport vor Herausforderungen stellen: Mit der Abspaltung vom Bereich Kultus und der Trennung vom Schulsport sowie der Verlagerung der Jugendpolitik in das Sozialministerium ist zu befürchten, dass viele bewährte Maßnahmen und Synergien verlorengehen. „Der Sport ist ein attraktives Themenfeld, das viele Ministerien gerne in ihrer Verantwortung haben. Was wir jetzt beobachten, ist eine Zersplitterung. Wir erwarten daher gerade zu Beginn einen hohen bürokratischen Mehraufwand, das wird für den Landessportverband und die Sportbünde sicher nicht einfach“, sagt Jürgen Scholz.
Einige zentrale Fragen wie die der Ansprechpartner für den Sport im Bauministerium sind bisher noch offen. „Enorm wichtig ist für uns eine Kontinuität im Personaltableau. Daher pochen wir darauf, dass das gesamte Sportreferat einschließlich der Zuständigkeiten für den außerunterrichtlichen Schulsport eine Einheit und unser zentraler Ansprechpartner bleibt. Außerdem muss der Sport als Begriff an prominenter Stelle im Namen des Ministeriums genannt sein“, betont der LSVBW-Präsident.
Zugleich erkenne er, dass sich durch die neue Ausgangslage Chancen bieten, bisherige Strukturen und Praktiken zu überdenken und noch besser zu machen. „Es kann durchaus positiv sein, dass die vielfältigen Aufgabenfelder des Sports jetzt noch enger verknüpft sind mit den jeweiligen politischen Fachreferaten.“ Schnellstmöglich müssten nun die konkreten Ansprechpartner, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse geklärt werden.
Einen Artikel zu diesem Thema ist am 29. Mai auch hier in der Stuttgarter Zeitung erschienen.









