Jürgen Scholz und Winfried Kretschmann
Fotos: Staatsministerium Baden-Württemberg / Ilkay Karakurt

Das Land Baden-Württemberg und der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) haben am 25. Februar 2026 den Solidarpakt Sport V unterzeichnet. LSVBW-Präsident Jürgen Scholz ordnet im Interview seine Bedeutung für den organisierten Sport im Land ein und erläutert, wie umfangreich die Förder- und Investitionszusagen wirklich sind.

Jürgen Scholz, 20 Jahre nach der Unterzeichnung des ersten Solidarpakts Sport findet die Vereinbarung von 2027 bis 2031 bereits die fünfte Fortsetzung. Welche Bedeutung hat der Solidarpakt Sport V für den Sport im Land?

Jürgen Scholz:
Seine Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Unterzeichnung des Solidarpakts bedeutet, dass das Handeln des gesamten organisierten Sports in Baden-Württemberg in den kommenden fünf Jahren auf einer sicheren Basis steht – das ist für uns elementar und keine Selbstverständlichkeit! Die Vereinbarung steht stellvertretend für mittlerweile ein Vierteljahrhundert Verbindlichkeit, Planungssicherheit und großen gegenseitigen Respekt. Wir genießen das Vertrauen des Landes Baden-Württemberg. Damit haben wir weiterhin die Möglichkeit und die Aufgabe, zukunftsorientiert und nachhaltig weiterzuarbeiten.

Was zeichnet eine Vereinbarung wie den Solidarpakt aus, im Vergleich zu anderen Formen der Festsetzung von Verbindlichkeiten zwischen Sport und Politik?

Jürgen Scholz:
In Baden-Württemberg hat sich über die zurückliegenden zwei Jahrzehnte ein überparteilicher Konsens etabliert, der uns unabhängig von Gesetzgebungsverfahren agieren lässt. Der Solidarpakt bildet ein verlässliches Fundament unseres Handelns. Und er eröffnet uns Gestaltungsfreiräume im Rahmen der vereinbarten Zuwendungsfelder und damit Flexibilität im Fünf-Jahres-Rhythmus.

Wie haben Sie die Verhandlungen zwischen Sport und Politik in den zurückliegenden Monaten erlebt?

Jürgen Scholz:
Es klingt banal, aber es entspricht ganz einfach den Tatsachen: Wir haben die Verhandlungen auf Augenhöhe geführt. Zunächst fanden viele Hintergrundgespräche statt, auch auf Arbeitsebene, um Sichtweisen zu klären, Argumente darzustellen und Begründungen zu liefern. Die Verhandlungen waren geprägt von einem großen Verständnis und Respekt für die jeweils andere Seite und dafür, welche Möglichkeiten und Grenzen des Handelns bestehen – darüber haben wir offen diskutiert. Der Wille zum Konsens und dazu, sich inhaltlich sowie im Rahmen einer gewissen Frist zu einigen, war deutlich spürbar.

Konnten die wesentlichen Forderungen des Sports schlussendlich erfüllt werden?

Jürgen Scholz:
Wir können mit Stolz auf die erzielten Ergebnisse schauen. Na klar: Mehr ist immer schön. Aber man muss die Realitäten sehen. Das Land ist in einer finanziellen Situation, die in den kommenden Jahren vermutlich nicht besser wird. Noch deutlich schwieriger gestaltet sich die Situation der Kommunen. Dass wir es dennoch geschafft haben, einen Mittelaufwuchs zu generieren, ist ein herausragendes Zeichen! Wenn man die Startvoraussetzungen der Verhandlungen betrachtet, dann ist mit der Berücksichtigung einer Vielzahl unserer Wünsche etwas eingetreten, was wir im Vorfeld nicht unbedingt hätten erwarten können. Das, was möglich war, wurde möglich gemacht.

Mit welchen Argumenten konnte der Sport überzeugen?

Jürgen Scholz:
Zum einen sprechen die Ergebnisse unserer Arbeit für sich. Wir haben in Baden-Württemberg den höchsten Organisationsgrad im Vereinssport, das heißt: In keinem anderen Bundesland ist der Anteil an Mitgliedschaften im Vereinssport gemessen an der Bevölkerungsanzahl so groß wie in Baden-Württemberg. Unsere Athletinnen und Athleten feiern regelmäßig Erfolge bei internationalen Großereignissen und nehmen damit auch bundesweit eine herausgehobene Rolle ein. Zum anderen haben wir die Gespräche akribisch vorbereitet. Grundlage war eine sehr fundierte Bedarfsermittlung, diese Bedarfe haben wir detailliert aufgelistet und mit Argumenten und Zahlen belegt.

Welche Bereiche lassen sich hier beispielhaft hervorheben?

Jürgen Scholz:
Der Solidarpakt Sport V sieht in vielen Arbeitsfeldern des Sports zusätzliche Mittel vor. Zu nennen sind zum Beispiel Kooperationsmaßnahmen zwischen Schulen oder Kindertageseinrichtungen und Sportvereinen, die Förderung des Leistungssports oder auch von Sportgeräten sowie die Aus- und Fortbildung von Trainer- und Übungsleiterpersonal. Zudem haben wir dank des Aufwuchses in der institutionellen Förderung die Möglichkeit, auch in Zukunft an unserem an Tarifen orientierten Trainer-Leitbild festzuhalten. Ganz besonders möchte ich aber die investiven Maßnahmen hervorheben. Diese sind deutlich umfangreicher, als es die Zahlen zur Sportförderung im Solidarpakt auf den ersten Blick vermuten lassen.

Investitionen, die durch das Sondervermögen möglich werden…

Jürgen Scholz:
Das Land hat sich dazu bereiterklärt, dem Sport aus dem Sondervermögen des Bundes zusätzliche Mittel zuzuweisen. 80 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre, sind für den Vereinssportstättenbau vorgesehen und kommen damit direkt dem organisierten Sport zugute. Im Rahmen von flankierenden Maßnahmen fließen weitere 80 Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre, in den kommunalen Sportstättenbau. Hier können wir den Vereinen und Verbänden nur sagen: Sprecht mit euren Kommunen – diese Mittel gibt es!

Unter den flankierenden Maßnahmen finden sich auch weitere Punkte, darunter ein Passus zum Thema Schwimmen – was verbirgt sich dahinter?

Jürgen Scholz:
Die wirklich wichtige Verantwortung des Landes, die Schwimmfähigkeit von Kindern zu fördern: Das Land investiert dafür erstmals über fünf Jahre verstetigt 30 Millionen Euro pro Jahr in den Erhalt und Ausbau von Lehrschwimmbecken – alles vorbehaltlich der Komplementärfinanzierung. Neu ist darüber hinaus im Rahmen der flankierenden Maßnahmen die Unterstützung von Sportgroßveranstaltungen im Land, besonders der World Games 2029 in Karlsruhe. All das gab es im vorherigen Solidarpakt nicht.

Was ist für Sie die größte Errungenschaft für den Sport, die aus dem Solidarpakt Sport V hervorgeht?

Jürgen Scholz:
Als LSVBW-Präsident kann ich sagen, dass ich mit den Vereinbarungen und dem Ergebnis insgesamt mehr als zufrieden bin. Unser Dank gilt der Regierung sowie allen Gesprächspartnern für die überparteiliche Unterstützung. Nun bleibt mir nur zu wünschen, dass alle Mittel, die wir im Solidarpakt festgehalten haben, auch bewirtschaftet werden. Denn der Solidarpakt zielt ja mit den Summen aus dem Sondervermögen nicht nur auf den Sport, sondern auch auf die Belebung der regionalen und kommunalen Wirtschaft. Wir investieren antizyklisch dann, wenn andere sich zurückhalten, und können somit dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg von innen heraus zu stärken. Dieser Beitrag ist nicht zu unterschätzen. Der Solidarpakt bedeutet viel mehr als nur eine Stärkung des Sports. Er ist ein gesamtgesellschaftlicher Vertrag!


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