
Nico Gunzelmann (CDU), Berat Gürbüz (Grüne), Gudula Achterberg (Grüne), die Moderierenden Lisa Bausch und Pascal Trobisch, Annkathrin Wulff (SPD), der BWSJ-Vorsitzende Jens Jakob und Lukas Tietze (CDU) freuen sich über den gelungenen Austausch am Jugendpolitischen Abend. Foto: Dominique Brewing
Beim Jugendpolitischen Abend der Baden-Württembergischen Sportjugend (BWSJ) kamen am Montag, den 19. Oktober 2026, junge Engagierte und politische Entscheidungsträger miteinander ins Gespräch. An der Landessportschule Ruit ging es um die Vielfalt und die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit, verlässliche Strukturen sowie demokratische Teilhabe.
In Baden-Württemberg sind mehr als 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Sportvereinen aktiv. Der organisierte Sport ist einer der größten gesellschaftlichen Bereiche, in denen junge Menschen erreicht und begleitet werden, und damit unmittelbar von kinder- und jugendpolitischen Entscheidungen betroffen. Die BWSJ vertritt dabei sowohl die Interessen des Sports als auch die Anliegen junger Menschen. Welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um die Kinder- und Jugendarbeit zukunftsfähig aufzustellen, stand im Mittelpunkt des traditionellen Jugendpolitischen Abends am Montag an der Landessportschule Ruit. Dazu kamen mehr als 50 Teilnehmende zusammen, darunter Landtagsabgeordnete von Grünen, CDU und SPD, junge Engagierte aus den Freiwilligendiensten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Sportjugenden im Land.
„Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen, Demokratie mitgestalten und sich für unsere Gesellschaft engagieren“, verdeutlichte Jens Jakob, Vorsitzender der BWSJ, zum Auftakt des Abends. „Der organisierte Sport gibt ihnen dafür Raum: Hier werden Gemeinschaft, Bewegung und mentale Gesundheit gestärkt; junge Menschen lernen Demokratie und Verantwortung. Die Kinder- und Jugendarbeit im Sport ist dabei vielfältiger und umfangreicher, als es von außen oft sichtbar ist.“
Verlässliche Strukturen und echte Beteiligung schaffen
Sichtbar wurde die Vielfalt an diesem Abend in den Gesprächen von Kleingruppen zu sechs Themenschwerpunkten. Ein zentrales Anliegen der Baden-Württembergischen Sportjugend ist eine verlässliche Förderung von Kinder- und Jugendarbeit im Sport. Im Austausch wurde deutlich, dass kurzfristige Projektförderungen die Vereine und Verbände vor große Herausforderungen stellen. Um qualitativ hochwertige Angebote zu schaffen und diese langfristig weiterzuentwickeln, braucht es finanzielle und personelle Planungssicherheit. Verlässliche Förderstrukturen erleichtern es zudem, erfolgreiche Projekte dauerhaft in den Vereinen und Verbänden zu verankern.
Die Demokratiebildung spielt im Sport ebenfalls eine wichtige Rolle. Sportvereine sind für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Ort, an dem sie demokratische Prozesse erleben, eigene Interessen vertreten und in Entscheidungen einbezogen werden. Die jungen Engagierten kamen zu dem Schluss, dass es mehr niedrigschwellige Möglichkeiten braucht, sich einzubringen und das Vereinsleben mitzugestalten. Dazu diskutierten sie mit der Politik und den Vertretern des organisierten Sports unter anderem eine Jugendquote als Möglichkeit, den Zugang zu Gremien und verantwortlichen Positionen zu erleichtern.
Im Dialog kristallisierte sich auch heraus, dass zwischen dem Wunsch junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, und der Gefahr, sie damit zu überfordern, ein schmaler Grat liegt. Für freiwilliges Engagement wünschen sich die jungen Engagierten deshalb nicht nur ausreichend Zeit, sondern auch Unterstützung im persönlichen Umfeld und gesellschaftliche Anerkennung. Instrumente wie die Ehrenamtskarte können dazu einen Beitrag leisten.
Junge Perspektiven einbringen, Zukunft gemeinsam gestalten
In allen Gesprächen zeigte sich, dass Kinder und Jugendliche Raum benötigen, um ihre Zukunft im Sport mitzugestalten. Ihre Perspektiven werden jedoch über den Sport hinaus von gesellschaftlichen Entwicklungen und veränderten Lebenswelten geprägt. Am Jugendpolitischen Abend wurden daher auch die Rolle des Sports und Engagements für die mentale Gesundheit, der Einfluss von Social Media, KI und der neuen politischen Öffentlichkeit sowie der Nationale Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports diskutiert. Über alle Themen hinweg wurde dabei die Bedeutung der Zusammenarbeit von Sportvereinen und Schulen hervorgehoben. Gerade im Hinblick auf den Ganztag bietet sie Chancen, Kinder und Jugendliche für Bewegung zu begeistern, Teilhabe zu ermöglichen und auf Möglichkeiten des Engagements aufmerksam zu machen.
Die Diskussionen des Abends verdeutlichten, dass die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit im Sport nicht allein vom Engagement der Vereine und ihrer Mitglieder abhängt. Auch die Politik ist gefragt, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und die Beteiligung junger Menschen zu stärken. Zum Abschluss der Veranstaltung richteten die beiden jungen Moderierenden Pascal Trobisch und Lisa Bausch aus dem Juniorteam der BWSJ und der Württembergischen Sportjugend eine klare Botschaft an das Plenum: „Wenn junge Menschen und Politik zusammenkommen und Gespräche auf Augenhöhe führen, können wir gute Lösungen finden. Wir wünschen uns, dass daraus Maßnahmen entstehen, die auch im Alltag der Vereine ankommen.“









