Zweifache Olympiateilnehmerin, Vize-Weltmeisterin und Vorbild für den Nachwuchs: Nach 25 Jahren im Volleyball, davon 18 im Sand, hat Karla Borger ihre Karriere beendet. Im Interview spricht sie über ihr ehrenamtliches Engagement und welche Bedeutung der Olympiastützpunkt (OSP) Stuttgart für sie hat.
Karla Borger, Sie stammen aus Hessen und sind für einen Verein aus Düsseldorf gestartet. Wie kam es, dass Sie 19 Jahre in Stuttgart trainiert haben?
Ich bin schon mit dem Plan nach Stuttgart gekommen, nach einem Jahr Hallenvolleyball in den Sand zu wechseln. In Stuttgart ist ein Bundesstützpunkt Beachvolleyball, und die Bedingungen waren all die Jahre über ideal, um meine beste Leistung abzuliefern. Aber ich fühle mich hier auch sehr zuhause.
Woran liegt das?
Als Spitzensportlerin war ich drei Viertel des Jahres weltweit unterwegs. Der OSP Stuttgart mit den Mitarbeitenden und anderen Sportlerinnen und Sportlern war in dieser Zeit mein soziales Wohnzimmer. Für mich – und ich glaube, das geht vielen Athletinnen und Athleten so – ist ein Ort wichtig, an dem wir zusammenkommen und uns wohlfühlen. Der OSP hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich mich mit der Stadt identifiziere. Zudem hat mich der Volleyball-Landesverband Württemberg immer unterstützt. Ich habe hier in Situationen Support erfahren, in denen ich ihn wirklich gebraucht habe. In
schwierigen Phasen auf so eine neue Heimat zurückgreifen zu können, dafür bin ich unglaublich dankbar. Denn das sind die Momente, die eine Karriere prägen.
Sie haben sich hier am Bundesstützpunkt als Mentorin für den Nachwuchs engagiert, die letzte Saison mit der 16-jährigen Zoe Neboh gespielt. Warum war Ihnen das wichtig?
Ich habe mich schon immer ein Stück weit um den Nachwuchs am OSP gekümmert. Ich war selbst einmal jung und wurde damals super von den Älteren aufgenommen. Daher habe ich mir geschworen, das an die Jugend weiterzugeben. Wenn sie ihr Zuhause verlassen, sind sie oft noch unerfahren und wissen nicht, wie es hier läuft. Ein paar Worte zum Training oder Tipps für Stuttgart sind da sehr wertvoll. Mir war es immer wichtig, dass wir als ein Stützpunkt zusammenhalten und uns gegenseitig stark machen.
Sie sind auch ehrenamtlich aktiv, waren Botschafterin für die Special Olympics Nationalen Spiele und des Herbstfinals von „Jugend trainiert“. Wieso engagieren Sie sich dafür?
Bei den Special Olympics steht nicht der Wettkampf, sondern der Sport im Vordergrund. Die strahlenden Augen und die Freude der Menschen an Bewegung geben mir unglaublich viel. In die Inklusion im Sport gehört viel mehr Selbstverständlichkeit, da sollte sich jeder engagieren. Wenn wir bei Veranstaltungen beeinträchtigte Kinder und Jugendliche mitdenken, haben diese den Tag ihres Lebens.
Bei „Jugend trainiert“ konnte ich tatsächlich aus Zeitgründen selbst nie mitmachen. Umso schöner war es, dass ich es jetzt nach meiner Karriere zum ersten Mal miterleben durfte. Ich habe versucht, so viele baden-württembergische Schulen wie möglich anzufeuern. Grundsätzlich sind solche Großsportevents für die Teilnehmenden etwas ganz Besonderes. Von meiner eigenen Olympiateilnahme weiß ich, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal bei einem so großen Wettkampf auf dem Sportfeld zu stehen. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, was dieser Moment für die Jugendlichen bedeutet.
Was würden Sie denn Ihrem eigenen jüngeren Ich sagen?
Dass ich meinem Weg vertrauen darf. Ich habe – wahrscheinlich wegen meiner zwei älteren Brüder – eine Kämpfer-DNA. Mir war klar, dass ich Profi werden wollte, und dann habe ich einfach alles dafür getan. Ich habe Lösungen gefunden, wenn es schwierig war, und mich auch in unangenehmen Situationen wohlgefühlt. Diesen Ehrgeiz habe ich mir in meiner Karriere bewahrt. Mir ging es immer um meine Leistung und dafür habe ich viel investiert. Rückblickend würde ich deshalb nicht viel anders machen. Und das ist ein schönes Gefühl.
Nun haben Sie Ihre Karriere beendet. Wie geht es weiter?
Bis Ende des Jahres bin ich noch Sportsoldatin, danach ist alles offen. Ich habe in meiner Karriere sehr viel erlebt, Positives wie Negatives. Diese Erfahrungen möchte ich gerne weitergeben. Denn ich habe ein starkes Interesse daran, dass sich die Sportart Volleyball, aber im Prinzip der gesamte Sport in Deutschland, weiterentwickelt. Wie ich dazu in Stuttgart beitragen kann, wird sich noch zeigen.










